★Hall of Fame★
Gustav „Bubi“
Scholz
88–2–646 K.o.
19481957
WM-Herausforderer, ohne Titel
Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.
Bubi Scholz auf einen Blick
Bubi Scholz gehört zu den bekanntesten deutschen Boxern der Nachkriegszeit. Er wurde 1930 in Berlin geboren, stieg 1948 ohne jede Amateurerfahrung ins Profilager ein und blieb 69 Kämpfe lang ungeschlagen. Er wurde deutscher Meister im Welter- und im Mittelgewicht, Europameister im Mittelgewicht und zuletzt im Halbschwergewicht. Nach der Bilanz von 96 Kämpfen mit 88 Siegen, 6 Remis und 2 Niederlagen beendete er 1964 seine Laufbahn.
Das Publikum liebte ihn: Berichte vergleichen seine Beliebtheit im damaligen West-Berlin mit der des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt. Zum Weltmeister reichte es nicht, aber sein WM-Kampf 1962 im Olympiastadion zählt zu den großen Abenden des deutschen Boxens.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Geboren | 12.04.1930 in Berlin, gestorben am 21.08.2000 (70 Jahre) |
| Gewichtsklassen | Weltergewicht, Mittelgewicht, Halbschwergewicht |
| Profibilanz | 88 Siege, 2 Niederlagen, 6 Remis (96 Kämpfe) |
| K.o.-Siege | 46 |
| Titel | Deutscher Meister im Weltergewicht (ab 1951) und im Mittelgewicht (1957), Europameister im Mittelgewicht (1958 bis 1961) und im Halbschwergewicht (1964) |
| Aktive Jahre | 1948 bis 1964, Pause 1955 bis 1957 |
| Amateurkarriere | keine |
Gut zu wissen: Scholz wurde nie Weltmeister. Sein einziger WM-Kampf, 1962 gegen Harold Johnson, ging nach Punkten verloren. Berühmt machten ihn seine Europameistertitel und die Kämpfe vor Zehntausenden Zuschauern in Berlin.
Herkunft und Profidebüt ohne Amateurkarriere
Gustav Scholz kam am 12.04.1930 in Berlin zur Welt und wuchs als Sohn eines Schmieds in Prenzlauer Berg auf. Amateurkämpfe bestritt er nicht. Am 08.10.1948, mit 18 Jahren, stieg er stattdessen direkt als Profi in den Ring und gewann nach Punkten. Für einen späteren Europameister war das ein ungewöhnlicher Start, denn der Weg in die Spitze führte damals meist über den Amateurboxsport.
Der Aufstieg ging schnell. 1951 wurde Scholz deutscher Meister im Weltergewicht, schon beim ersten Anlauf. 1952 verteidigte er den Titel zweimal erfolgreich. 1954 reiste er in die USA und boxte dort, bevor ihn eine Krankheit stoppte.
Tuberkulose und Comeback
Bei Scholz wurde eine offene Lungentuberkulose festgestellt, nach der Diagnose 1955 hielten ihn Ärzte zunächst für boxunfähig. Er erholte sich in einer Klinik im Schwarzwald und blieb gut anderthalb Jahre vom Ring weg. Seine Frau Helga unterstützte ihn in dieser Zeit.
Im Juni 1957 kehrte er zurück und gewann den deutschen Meistertitel im Mittelgewicht durch K.o. gegen den Kölner Peter Müller. Von diesem Kampf existiert eine Wochenschau-Aufnahme mit zwei Niederschlägen des Unterlegenen. Ab 1957 boxte Scholz im Mittelgewicht und blieb auch dort lange ungeschlagen.
Die erste Niederlage und der Gewinn der Europameisterschaft
Seine erste Niederlage kam spät: Am 10.03.1958 verlor Scholz in seinem 70. Profikampf nach Punkten gegen den Franzosen Charles Humez. Es war der Kampf um die Europameisterschaft im Mittelgewicht. Der Rückkampf fand am 04.10.1958 im Berliner Olympiastadion statt und wurde der größte Abend seiner Laufbahn. Scholz gewann und wurde Europameister im Mittelgewicht. Zehntausende sahen zu.
Dreimal verteidigte er den Titel danach, bevor er ihn 1961 niederlegte, ohne ihn im Ring verloren zu haben. Er wechselte danach ins Halbschwergewicht.
Der WM-Kampf gegen Harold Johnson
Am 23.06.1962 stand Scholz im Berliner Olympiastadion dem US-Amerikaner Harold Johnson gegenüber, der als Weltmeister des Halbschwergewichts antrat. Johnson hatte die NBA-Krone seit 1961 und war nach seinem Sieg über Doug Jones im Mai 1962 allgemein als Champion anerkannt. Mehr als 50.000 Zuschauer kamen. Scholz erhielt eine Börse von 100.000 DM, laut seinen Erinnerungen eine Rekordbörse.
Johnson war ein erfahrener Gegner: Er hatte den NBA-Titel im Februar 1961 gewonnen, am 12.05.1962 gegen Doug Jones die Anerkennung auch von NYSAC und The Ring erkämpft und verlor den Gürtel erst am 01.06.1963 an Willie Pastrano. Scholz stand also einem Titelträger auf dem Höhepunkt gegenüber. Max Schmeling, der selbst Weltmeister gewesen war, sagte nach dem Kampf, als Fachmann sei er fasziniert gewesen, als Zuschauer ein wenig enttäuscht.
Der Kampf ging über die volle Distanz von 15 Runden. Johnson gewann nach Punkten, die Entscheidung galt als umstritten. Es war Scholz’ zweite und letzte Niederlage als Profi. Spox schreibt, die Niederlage habe ihn sein Leben lang beschäftigt, in seiner Villa habe er den Kampf später in einem privaten Kellerkino immer wieder angesehen.
Scholz in Zahlen
46 Siege kamen durch K.o., 41 nach Punkten und einer durch Disqualifikation des Gegners, dazu kommen 6 Remis und 2 Niederlagen. Beide Niederlagen gingen über die Distanz nach Punkten. Scholz wurde nie ausgezählt und verlor erst im 70. Kampf überhaupt.
Seine Titel verteilen sich auf drei Gewichtsklassen: Im Weltergewicht holte er die deutsche Meisterschaft, im Mittelgewicht die deutsche und die europäische, im Halbschwergewicht ein weiteres Mal die europäische. Die Mittelgewichtstitel gab er 1961 ab, ohne sie im Ring verloren zu haben.
Letzter Kampf und Rücktritt
Nach der Niederlage blieb Scholz im Halbschwergewicht. Am 04.04.1964 trat er in der Dortmunder Westfalenhalle gegen den italienischen Europameister Giulio Rinaldi an. Rinaldi wurde disqualifiziert, Scholz war damit Europameister im Halbschwergewicht. Der Sieg galt als umstritten. Danach beendete er seine Karriere als Europameister. Im Oktober desselben Jahres wurde mit Karl Mildenberger ein neuer deutscher Europameister im Schwergewicht. Seine Bilanz zum Karriereende: 96 Kämpfe, 88 Siege, 6 Remis, 2 Niederlagen.
Ruhm, Absturz und Tod
Scholz war weit über den Sport hinaus bekannt. Er und seine Frau Helga gehörten zur Berliner Gesellschaft, sie führten Parfümerien in der Stadt und wohnten in einer Villa in Berlin. Scholz nahm Schlager auf, trat in Filmen und Fernsehserien auf und war ein gefragter Gast in Talkshows.
Nach dem Karriereende ließ die Aufmerksamkeit nach. Scholz kämpfte mit Depressionen und Alkohol. Nach zwei Ereignissen seiner späten Jahre wird oft gefragt: der Tod seiner Frau 1984 und sein eigener Tod im Jahr 2000.
Der Tod von Helga Scholz 1984
Am Abend des 22.07.1984 kam es in der Villa des Paares in Berlin nach reichlich Alkohol zum Streit. Helga Scholz schloss sich in der Gästetoilette ein, Scholz schoss durch die geschlossene Tür und traf sie tödlich. Nach den Berichten wurde er noch in der Nacht festgenommen. Der Fall ging als „Schuss durch die Toilettentür“ durch die Presse.
Das Gericht ging nicht von einem Tötungsvorsatz aus. Im Februar 1985 verurteilte es Scholz wegen fahrlässiger Tötung, zusammen mit dem Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes, zu drei Jahren Gefängnis. 1987 kam er frei. Über die Frage, ob die Strafe angemessen war, wurde damals gestritten; die Quellen berichten das Urteil übereinstimmend, die Einzelheiten des Tatabends schildern sie aber unterschiedlich. Auch der Stadtteil der Villa wird verschieden angegeben, belegt ist Berlin.
Familie: Helga, zweite Ehe und Kinder
Helga Scholz leitete die Parfümerien des Paares. Die Ehe blieb kinderlos. Nach der Haft heiratete Scholz 1993 in zweiter Ehe Sabine Arndt, die ihn in den letzten Lebensjahren pflegte. Danach lebte er zurückgezogen in Berlin.
Tod im Jahr 2000
Scholz starb am 21.08.2000 im Alter von 70 Jahren in einem Pflegeheim am Stadtrand von Berlin. Er litt zuletzt an Demenz. Eine genaue Todesursache nennen die meisten Nachrufe nicht. Sein Grab liegt auf dem Friedhof an der Heerstraße in Berlin.
Seine Memoiren erschienen 1980 unter dem Titel „Der Weg aus dem Nichts“, sie halfen seinem Ruf nicht mehr. Seinen letzten Auftritt am Ring hatte er im Dezember 1994, als Graciano Rocchigiani gegen Frederick Seillier kämpfte.
1998 erzählte der Film „Die Bubi Scholz Story“ von Roland Suso Richter sein Leben von der Nachkriegszeit bis zum Absturz. Benno Fürmann spielte den jungen, Götz George den älteren Scholz.
Die großen Kämpfe
| Datum | Gegner | Ergebnis | Was der Kampf brachte |
|---|---|---|---|
| 08.10.1948 | Debüt, Berlin | Sieg nach Punkten | Profidebüt mit 18 Jahren, ohne Amateurkampf |
| Juni 1957 | Peter Müller | Sieg durch K.o. | Deutscher Meister im Mittelgewicht nach der Tuberkulose-Pause |
| 10.03.1958 | Charles Humez | Niederlage nach Punkten | Erste Niederlage, im 70. Profikampf |
| 04.10.1958 | Charles Humez | Sieg, Olympiastadion Berlin | Gewinn der Europameisterschaft im Mittelgewicht |
| 23.06.1962 | Harold Johnson | Niederlage nach Punkten, Olympiastadion Berlin | Einziger WM-Kampf, Rekordbörse von 100.000 DM |
| 04.04.1964 | Giulio Rinaldi | Sieg durch Disqualifikation, Dortmund | Europameister im Halbschwergewicht, letzter Kampf |
Der Signature-Stil
Von seinen 88 Siegen kamen 46 durch K.o., 41 nach Punkten und einer durch Disqualifikation. Das ist ein K.o.-Anteil von gut der Hälfte aller Siege. Hinzu kommt die Standfestigkeit: Scholz wurde in 96 Kämpfen nie ausgezählt, und die erste Niederlage kam im 70. Profikampf.
Wie das aussah, zeigen Wochenschau-Aufnahmen vom Kampf gegen Peter Müller 1957. Sie halten zwei Niederschläge fest, mit denen Scholz den deutschen Titel im Mittelgewicht gewann. Die Filmrollen sind schwarz-weiß und ohne Ton. Zu sehen sind eine lange rechte Gerade und ein Kampf, der schnell entschieden ist.
Bedeutung für das deutsche Boxen
Scholz machte das Profiboxen im Deutschland der 1950er Jahre zum Massenereignis. Seine Kämpfe im Olympiastadion zogen Zehntausende an, und laut Box-Sport füllte sein Name allein Hallen in mehreren Städten. In der Reihe der großen Boxer steht er zwischen Max Schmeling, der 1930 Weltmeister wurde, und Henry Maske, der die Kämpfe der 1990er prägte.
Wer wissen will, welche Deutschen später Weltmeister wurden, findet sie in der Liste der deutschen Boxweltmeister und im Weltmeister-Tracker. Wie sich Mittel- und Halbschwergewicht unterscheiden, erklärt die Seite Gewichtsklassen. Weitere Porträts: Eckhard Dagge, dessen Manager früher Scholz betreut hatte und der 1976 als zweiter deutscher Profi nach Schmeling Weltmeister wurde, Karl Mildenberger, der 1966 gegen Muhammad Ali um den WM-Titel kämpfte, und die Legenden-Übersicht.
Häufige Fragen
Wie viele Kämpfe hat Bubi Scholz verloren?
War Bubi Scholz Weltmeister?
Wann und wo wurde Bubi Scholz geboren?
Hatte Bubi Scholz eine Amateurkarriere?
Wie endete die Karriere von Bubi Scholz?
Was geschah mit der Ehefrau von Bubi Scholz?
Hatte Bubi Scholz Kinder?
Woran starb Bubi Scholz?
Gibt es einen Film über Bubi Scholz?
Quellen
- Tagesspiegel: Bubi Scholz ist tot, eine Nation lag ihm zu Füßen (21.08.2000)
- WHO'S WHO: Gustav Scholz, Biografie
- Spox: Einst populär wie Willy Brandt, dann Suff und Knast
- BoxRec: Gustav Scholz
- journal21: Die traurige Geschichte des Bubi Scholz
- Wunderweib: Bubi Scholz und der Schuss durch die Toilettentür
- Tageblatt (dpa): Boxer-Idol Bubi Scholz, vom Star zum Todesschützen
- IMDb: Bubi Scholz
Veröffentlicht am 03.10.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir






