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Illustration: Ausrüstung als Stillleben, Sinnbild für Bubi Scholz (mit AI erstelltes Bild)
AIMit AI erstelltes Bild
Legende · Mittel- und Halbschwergewicht

Bubi Scholz: Ehefrau, Tod, Bilanz und Titel des Berliner Boxidols

Er boxte nie als Amateur und gewann trotzdem 88 von 96 Profikämpfen: Bubi Scholz war in den 1950er Jahren der große Boxstar Berlins, Europameister im Mittel- und im Halbschwergewicht und 1962 Herausforderer im einzigen WM-Kampf seiner Karriere.

Stand 13.10.2026Redaktion boxwetten.deKeine Wettwerbung
88Profisiege in 96 Kämpfen
46K.o.-Siege
69Kämpfe ohne Niederlage zum Karrierestart
1958Europameister im Mittelgewicht
Gustav „Bubi“ ScholzBerliner Boxidol der 50er: Europameister im Mittel- und Halbschwergewicht, einziger WM-Kampf 1962 gegen Harold Johnson
52 %K.o.-Quote
Siege
88
davon K.o.
46
Niederlagen
2
Unentschieden
6
–

WM-Herausforderer, ohne Titel

Welter-, Mittel- und Halbschwergewicht · Profikämpfe: 96 · Karriere: 1948–1964 (Pause 1955–1957 wegen Tuberkulose)

Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.

Bubi Scholz auf einen Blick

Bubi Scholz gehört zu den bekanntesten deutschen Boxern der Nachkriegszeit. Er wurde 1930 in Berlin geboren, stieg 1948 ohne jede Amateurerfahrung ins Profilager ein und blieb 69 Kämpfe lang ungeschlagen. Er wurde deutscher Meister im Welter- und im Mittelgewicht, Europameister im Mittelgewicht und zuletzt im Halbschwergewicht. Nach der Bilanz von 96 Kämpfen mit 88 Siegen, 6 Remis und 2 Niederlagen beendete er 1964 seine Laufbahn.

Das Publikum liebte ihn: Berichte vergleichen seine Beliebtheit im damaligen West-Berlin mit der des Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt. Zum Weltmeister reichte es nicht, aber sein WM-Kampf 1962 im Olympiastadion zählt zu den großen Abenden des deutschen Boxens.

Steckbrief
Geboren12.04.1930 in Berlin, gestorben am 21.08.2000 (70 Jahre)
GewichtsklassenWeltergewicht, Mittelgewicht, Halbschwergewicht
Profibilanz88 Siege, 2 Niederlagen, 6 Remis (96 Kämpfe)
K.o.-Siege46
TitelDeutscher Meister im Weltergewicht (ab 1951) und im Mittelgewicht (1957), Europameister im Mittelgewicht (1958 bis 1961) und im Halbschwergewicht (1964)
Aktive Jahre1948 bis 1964, Pause 1955 bis 1957
Amateurkarrierekeine

Gut zu wissen: Scholz wurde nie Weltmeister. Sein einziger WM-Kampf, 1962 gegen Harold Johnson, ging nach Punkten verloren. Berühmt machten ihn seine Europameistertitel und die Kämpfe vor Zehntausenden Zuschauern in Berlin.

Herkunft und Profidebüt ohne Amateurkarriere

Gustav Scholz kam am 12.04.1930 in Berlin zur Welt und wuchs als Sohn eines Schmieds in Prenzlauer Berg auf. Amateurkämpfe bestritt er nicht. Am 08.10.1948, mit 18 Jahren, stieg er stattdessen direkt als Profi in den Ring und gewann nach Punkten. Für einen späteren Europameister war das ein ungewöhnlicher Start, denn der Weg in die Spitze führte damals meist über den Amateurboxsport.

Der Aufstieg ging schnell. 1951 wurde Scholz deutscher Meister im Weltergewicht, schon beim ersten Anlauf. 1952 verteidigte er den Titel zweimal erfolgreich. 1954 reiste er in die USA und boxte dort, bevor ihn eine Krankheit stoppte.

Tuberkulose und Comeback

Bei Scholz wurde eine offene Lungentuberkulose festgestellt, nach der Diagnose 1955 hielten ihn Ärzte zunächst für boxunfähig. Er erholte sich in einer Klinik im Schwarzwald und blieb gut anderthalb Jahre vom Ring weg. Seine Frau Helga unterstützte ihn in dieser Zeit.

Im Juni 1957 kehrte er zurück und gewann den deutschen Meistertitel im Mittelgewicht durch K.o. gegen den Kölner Peter Müller. Von diesem Kampf existiert eine Wochenschau-Aufnahme mit zwei Niederschlägen des Unterlegenen. Ab 1957 boxte Scholz im Mittelgewicht und blieb auch dort lange ungeschlagen.

Die erste Niederlage und der Gewinn der Europameisterschaft

Seine erste Niederlage kam spät: Am 10.03.1958 verlor Scholz in seinem 70. Profikampf nach Punkten gegen den Franzosen Charles Humez. Es war der Kampf um die Europameisterschaft im Mittelgewicht. Der Rückkampf fand am 04.10.1958 im Berliner Olympiastadion statt und wurde der größte Abend seiner Laufbahn. Scholz gewann und wurde Europameister im Mittelgewicht. Zehntausende sahen zu.

Dreimal verteidigte er den Titel danach, bevor er ihn 1961 niederlegte, ohne ihn im Ring verloren zu haben. Er wechselte danach ins Halbschwergewicht.

Der WM-Kampf gegen Harold Johnson

Am 23.06.1962 stand Scholz im Berliner Olympiastadion dem US-Amerikaner Harold Johnson gegenüber, der als Weltmeister des Halbschwergewichts antrat. Johnson hatte die NBA-Krone seit 1961 und war nach seinem Sieg über Doug Jones im Mai 1962 allgemein als Champion anerkannt. Mehr als 50.000 Zuschauer kamen. Scholz erhielt eine Börse von 100.000 DM, laut seinen Erinnerungen eine Rekordbörse.

Johnson war ein erfahrener Gegner: Er hatte den NBA-Titel im Februar 1961 gewonnen, am 12.05.1962 gegen Doug Jones die Anerkennung auch von NYSAC und The Ring erkämpft und verlor den Gürtel erst am 01.06.1963 an Willie Pastrano. Scholz stand also einem Titelträger auf dem Höhepunkt gegenüber. Max Schmeling, der selbst Weltmeister gewesen war, sagte nach dem Kampf, als Fachmann sei er fasziniert gewesen, als Zuschauer ein wenig enttäuscht.

Der Kampf ging über die volle Distanz von 15 Runden. Johnson gewann nach Punkten, die Entscheidung galt als umstritten. Es war Scholz’ zweite und letzte Niederlage als Profi. Spox schreibt, die Niederlage habe ihn sein Leben lang beschäftigt, in seiner Villa habe er den Kampf später in einem privaten Kellerkino immer wieder angesehen.

Scholz in Zahlen

46 Siege kamen durch K.o., 41 nach Punkten und einer durch Disqualifikation des Gegners, dazu kommen 6 Remis und 2 Niederlagen. Beide Niederlagen gingen über die Distanz nach Punkten. Scholz wurde nie ausgezählt und verlor erst im 70. Kampf überhaupt.

Seine Titel verteilen sich auf drei Gewichtsklassen: Im Weltergewicht holte er die deutsche Meisterschaft, im Mittelgewicht die deutsche und die europäische, im Halbschwergewicht ein weiteres Mal die europäische. Die Mittelgewichtstitel gab er 1961 ab, ohne sie im Ring verloren zu haben.

Letzter Kampf und Rücktritt

Nach der Niederlage blieb Scholz im Halbschwergewicht. Am 04.04.1964 trat er in der Dortmunder Westfalenhalle gegen den italienischen Europameister Giulio Rinaldi an. Rinaldi wurde disqualifiziert, Scholz war damit Europameister im Halbschwergewicht. Der Sieg galt als umstritten. Danach beendete er seine Karriere als Europameister. Im Oktober desselben Jahres wurde mit Karl Mildenberger ein neuer deutscher Europameister im Schwergewicht. Seine Bilanz zum Karriereende: 96 Kämpfe, 88 Siege, 6 Remis, 2 Niederlagen.

Ruhm, Absturz und Tod

Scholz war weit über den Sport hinaus bekannt. Er und seine Frau Helga gehörten zur Berliner Gesellschaft, sie führten Parfümerien in der Stadt und wohnten in einer Villa in Berlin. Scholz nahm Schlager auf, trat in Filmen und Fernsehserien auf und war ein gefragter Gast in Talkshows.

Nach dem Karriereende ließ die Aufmerksamkeit nach. Scholz kämpfte mit Depressionen und Alkohol. Nach zwei Ereignissen seiner späten Jahre wird oft gefragt: der Tod seiner Frau 1984 und sein eigener Tod im Jahr 2000.

Der Tod von Helga Scholz 1984

Am Abend des 22.07.1984 kam es in der Villa des Paares in Berlin nach reichlich Alkohol zum Streit. Helga Scholz schloss sich in der Gästetoilette ein, Scholz schoss durch die geschlossene Tür und traf sie tödlich. Nach den Berichten wurde er noch in der Nacht festgenommen. Der Fall ging als „Schuss durch die Toilettentür“ durch die Presse.

Das Gericht ging nicht von einem Tötungsvorsatz aus. Im Februar 1985 verurteilte es Scholz wegen fahrlässiger Tötung, zusammen mit dem Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes, zu drei Jahren Gefängnis. 1987 kam er frei. Über die Frage, ob die Strafe angemessen war, wurde damals gestritten; die Quellen berichten das Urteil übereinstimmend, die Einzelheiten des Tatabends schildern sie aber unterschiedlich. Auch der Stadtteil der Villa wird verschieden angegeben, belegt ist Berlin.

Familie: Helga, zweite Ehe und Kinder

Helga Scholz leitete die Parfümerien des Paares. Die Ehe blieb kinderlos. Nach der Haft heiratete Scholz 1993 in zweiter Ehe Sabine Arndt, die ihn in den letzten Lebensjahren pflegte. Danach lebte er zurückgezogen in Berlin.

Tod im Jahr 2000

Scholz starb am 21.08.2000 im Alter von 70 Jahren in einem Pflegeheim am Stadtrand von Berlin. Er litt zuletzt an Demenz. Eine genaue Todesursache nennen die meisten Nachrufe nicht. Sein Grab liegt auf dem Friedhof an der Heerstraße in Berlin.

Seine Memoiren erschienen 1980 unter dem Titel „Der Weg aus dem Nichts“, sie halfen seinem Ruf nicht mehr. Seinen letzten Auftritt am Ring hatte er im Dezember 1994, als Graciano Rocchigiani gegen Frederick Seillier kämpfte.

1998 erzählte der Film „Die Bubi Scholz Story“ von Roland Suso Richter sein Leben von der Nachkriegszeit bis zum Absturz. Benno Fürmann spielte den jungen, Götz George den älteren Scholz.

Die großen Kämpfe

DatumGegnerErgebnisWas der Kampf brachte
08.10.1948Debüt, BerlinSieg nach PunktenProfidebüt mit 18 Jahren, ohne Amateurkampf
Juni 1957Peter MüllerSieg durch K.o.Deutscher Meister im Mittelgewicht nach der Tuberkulose-Pause
10.03.1958Charles HumezNiederlage nach PunktenErste Niederlage, im 70. Profikampf
04.10.1958Charles HumezSieg, Olympiastadion BerlinGewinn der Europameisterschaft im Mittelgewicht
23.06.1962Harold JohnsonNiederlage nach Punkten, Olympiastadion BerlinEinziger WM-Kampf, Rekordbörse von 100.000 DM
04.04.1964Giulio RinaldiSieg durch Disqualifikation, DortmundEuropameister im Halbschwergewicht, letzter Kampf

Der Signature-Stil

Tuschezeichnung mit gesichtslosen Figuren: lange rechte Gerade ans Kinn, K.o. gegen Peter Müller 1957 (mit AI erstelltes Bild) AI Mit AI erstelltes Bild
Die lange rechte Gerade ans Kinn: K.o. gegen Peter Müller, Berlin 1957 · Rote Hose: Scholz · Bewegungsablauf: Beide auf Distanz in Deckung, Müller tastet mit der linken Hand, Scholz lädt die rechte Hand, Rechte Hand trifft den Kiefer, Müllers Kopf schnappt zurück, Müller knickt ein, Müller stürzt rückwärts, Müller liegt am Boden · Mit AI erstellte Tuschezeichnung mit gesichtslosen Figuren, keine Fotografie

Von seinen 88 Siegen kamen 46 durch K.o., 41 nach Punkten und einer durch Disqualifikation. Das ist ein K.o.-Anteil von gut der Hälfte aller Siege. Hinzu kommt die Standfestigkeit: Scholz wurde in 96 Kämpfen nie ausgezählt, und die erste Niederlage kam im 70. Profikampf.

Wie das aussah, zeigen Wochenschau-Aufnahmen vom Kampf gegen Peter Müller 1957. Sie halten zwei Niederschläge fest, mit denen Scholz den deutschen Titel im Mittelgewicht gewann. Die Filmrollen sind schwarz-weiß und ohne Ton. Zu sehen sind eine lange rechte Gerade und ein Kampf, der schnell entschieden ist.

Bedeutung für das deutsche Boxen

Scholz machte das Profiboxen im Deutschland der 1950er Jahre zum Massenereignis. Seine Kämpfe im Olympiastadion zogen Zehntausende an, und laut Box-Sport füllte sein Name allein Hallen in mehreren Städten. In der Reihe der großen Boxer steht er zwischen Max Schmeling, der 1930 Weltmeister wurde, und Henry Maske, der die Kämpfe der 1990er prägte.

Wer wissen will, welche Deutschen später Weltmeister wurden, findet sie in der Liste der deutschen Boxweltmeister und im Weltmeister-Tracker. Wie sich Mittel- und Halbschwergewicht unterscheiden, erklärt die Seite Gewichtsklassen. Weitere Porträts: Eckhard Dagge, dessen Manager früher Scholz betreut hatte und der 1976 als zweiter deutscher Profi nach Schmeling Weltmeister wurde, Karl Mildenberger, der 1966 gegen Muhammad Ali um den WM-Titel kämpfte, und die Legenden-Übersicht.

Häufige Fragen

Wie viele Kämpfe hat Bubi Scholz verloren?

Zwei von 96 Profikämpfen. Beide gingen nach Punkten verloren: am 10.03.1958 gegen Charles Humez, seine erste Niederlage nach 69 Kämpfen ohne Niederlage, und am 23.06.1962 im WM-Kampf gegen Harold Johnson. Dazu kommen sechs Remis. Er wurde nie ausgezählt.

War Bubi Scholz Weltmeister?

Nein. Sein einziger Kampf um einen WM-Titel war die Begegnung mit Harold Johnson im Halbschwergewicht am 23.06.1962 im Berliner Olympiastadion. Scholz verlor nach 15 Runden nach Punkten. Er war aber Europameister im Mittelgewicht (1958 bis 1961) und im Halbschwergewicht (1964).

Wann und wo wurde Bubi Scholz geboren?

Gustav „Bubi“ Scholz wurde am 12.04.1930 in Berlin geboren, als Sohn eines Schmieds. Er wuchs im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg auf.

Hatte Bubi Scholz eine Amateurkarriere?

Nein. Er trat 1948 mit 18 Jahren direkt als Profi an und gewann seinen ersten Kampf am 08.10.1948 in Berlin nach Punkten. Das war damals ungewöhnlich.

Wie endete die Karriere von Bubi Scholz?

Am 04.04.1964 gewann er in der Dortmunder Westfalenhalle durch Disqualifikation des Titelverteidigers Giulio Rinaldi die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Der Sieg galt als umstritten. Danach beendete Scholz seine Laufbahn.

Was geschah mit der Ehefrau von Bubi Scholz?

Helga Scholz starb im Juli 1984 durch einen Schuss aus der Waffe ihres Mannes, den er in der Berliner Villa durch die Tür der Gästetoilette abgab. Das Gericht sah keinen Tötungsvorsatz und verurteilte Scholz im Februar 1985 wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft.

Hatte Bubi Scholz Kinder?

Nein. Die Ehe mit Helga Scholz blieb nach übereinstimmenden Berichten kinderlos. Für die zweite Ehe mit Sabine Arndt sind in den Quellen ebenfalls keine Kinder genannt.

Woran starb Bubi Scholz?

Scholz starb am 21.08.2000 mit 70 Jahren in einem Pflegeheim am Stadtrand von Berlin. Er litt zuletzt an Demenz, eine Todesursache nennen die meisten Nachrufe nicht.

Gibt es einen Film über Bubi Scholz?

Ja, „Die Bubi Scholz Story“ von Regisseur Roland Suso Richter aus dem Jahr 1998. Benno Fürmann spielt den jungen, Götz George den älteren Scholz. Fürmann erhielt dafür 1999 den Deutschen Fernsehpreis als bester Hauptdarsteller.

Veröffentlicht am 03.10.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir