Boxhandschuhe sehen von außen fast gleich aus, doch jeder besteht aus mehreren Schichten, und für fast jede gibt es eine Regel. Auf dieser Seite erklären wir den Aufbau, die Unzen für Profis und Amateure, Schnürung und Klettverschluss, die Bandagen darunter und wie die Handschuhe vor einem Kampf kontrolliert werden.
Die Zahlen stammen aus den Regelwerken der Verbände. Wo sich Profi- und Amateurregeln unterscheiden, nennen wir beide Werte. Stand ist der 09.10.2026.
Der Boxhandschuh zum Zerlegen
Die Explosionsansicht unten zeigt einen geschnürten Wettkampfhandschuh und alles, was darunter liegt: Schnürung und Tape, Lederhülle mit Daumen, die Polsterschichten, Innenfutter mit Griffstange und die bandagierte Faust. Tippen Sie auf eine Nummer, um die Schicht und die passenden Regeln zu sehen.
Boxhandschuh in Schichten

Fotorealistische Darstellung, nicht maßstäblich. Tippen Sie auf eine Nummer oder eine Karte. Schichtaufbau nach Herstellerangaben und den Regeln von World Boxing, WBC, WBA, WBO und IBF.
00Der komplette Handschuh
Ein Boxhandschuh wirkt wie ein einziges Stück Leder, besteht aber aus mehreren Schichten. Unser Modell zeigt einen geschnürten Wettkampfhandschuh auf einer bandagierten Faust: außen die Lederhülle mit angenähtem Daumen, darunter die Polsterung, dann das Innenfutter mit Griffstange und ganz innen die Bandage. Das Gewicht wird in Unzen angegeben, eine Unze entspricht rund 28,35 Gramm. Bei Profi-WM-Kämpfen schreiben WBC, WBA und WBO 8 Unzen bis einschließlich Weltergewicht vor, darüber 10 Unzen. Scrollen Sie weiter, dann wird der Handschuh Schicht für Schicht zerlegt.
01Schnürung und Tape
Zuerst kommen Tape und Schnürung ab. Viele Profihandschuhe werden geschnürt. Die Athletic Commission in New York verlangt, dass die Schnürsenkel am Handgelenk auf der Handrückenseite verknotet und mit einem etwa 2,5 Zentimeter breiten Klebeband überklebt werden, das ein Kommissionsvertreter unterschreibt. Die Unterschrift zeigt, dass das Anlegen der Handschuhe abgenommen wurde. World Boxing erlaubt bei seinen Wettkämpfen dagegen nur Handschuhe mit Klettverschluss. Der Verschluss wird mit höchstens einer Lage 5 Zentimeter breitem Tape abgedeckt, damit sich der Gegner nicht daran schneidet.
02Außenhülle aus Leder
Jetzt hebt sich die Außenhülle ab. Nach World Boxing besteht der Lederteil aus hochwertigem Material wie Rindsleder und macht höchstens die Hälfte des Gewichts aus, mindestens die Hälfte entfällt auf die Polsterung. Im Wettkampf tragen die Boxer rote oder blaue Handschuhe, passend zu ihrer Ecke. Eine Beschreibung der Herstellung nennt als übliches Material Rinds- oder Ziegenleder, das zugeschnitten und vernäht wird. Die lange Manschette umschließt das Handgelenk, an ihr sitzen Schnürung oder Klettverschluss.
03Angenähter Daumen
Der Daumen ist mit dem Handschuhkörper verbunden, und das hat einen Grund. Stand er frei ab, konnte er beim Schlag in die Augenhöhle des Gegners geraten. Ein Zeitungsbericht von 1982 nennt Augenverletzungen einen großen Teil aller Boxverletzungen und viele davon Folge des Daumens, ein Patent von 1984 beschreibt dasselbe Problem. Die IBF schreibt seit 1987 für Titelkämpfe Handschuhe mit befestigtem Daumen vor. World Boxing verlangt, dass der Daumen oben am Handschuhkörper sitzt, mit höchstens 10 Millimetern Spalt.
04Polsterung in Schichten
Unter der Hülle liegt das Polster. Es dämpft den Schlag und schützt die Hand. Hersteller legen dafür mehrere zugeschnittene Schaumlagen übereinander, das Gewicht des Handschuhs ändert sich mit der Zahl der Lagen. Ein großer Hersteller beschreibt für seinen offiziellen Profihandschuh drei Schaumschichten, eine davon in Kombination mit gestepptem Rosshaar. Rosshaar als Füllung verwenden auch heute noch einige Hersteller. Nach World Boxing darf die Polsterung weder verschoben noch beschädigt sein, nur saubere und einwandfreie Handschuhe sind erlaubt.
05Innenfutter und Griffstange
Ganz innen liegt das Futter, meist aus Nylon. Ein Hersteller beschreibt es als wasserabweisend, damit Schweiß das Gewicht des Handschuhs nicht verändert. Quer über der Handfläche sitzt bei vielen Modellen eine gepolsterte Griffstange, um die sich die Finger schließen. Ein Patent von 1942 beschreibt sie als leicht nachgiebigen Griff, der einen Teil des Stoßes aufnimmt und die Fingerknöchel auf eine Linie bringt. So bleibt die Faust im Handschuh geschlossen und trifft mit einer gleichmäßigen Fläche.
06Bandage und Tape
Unter dem Handschuh trägt der Boxer eine Bandage aus Gaze, gesichert mit Tape. Im Profibereich begrenzen WBA, WBO und IBF die Menge: je nach Gewichtsklasse 10 bis 14 Yards weiche Gaze je Hand, höchstens 2 Zoll breit, dazu einige Fuß Tape, das mindestens 1 Zoll von den Knöcheln entfernt bleibt. Die WBC lässt beliebig viel Gaze zu, verbietet aber Tape über den Knöcheln. World Boxing schreibt Klettbandagen von 3,5 bis 4,5 Metern oder genau festgelegte Profi-Bandagen vor.
07Die Faust und die Kontrolle
Übrig bleibt die Faust, hier als neutrale Form. Weil jede Schicht darüber über Schutz und Fairness entscheidet, wird kontrolliert. Bei der WBC beobachtet das gegnerische Lager das Bandagieren, die Handschuhe werden beim Wiegen ausgewählt und bis zur Übergabe in der Kabine verwahrt. Bei der WBO prüft der Ringrichter vor dem Kampf Bandagen und Handschuhe. Entdeckt der Ringrichter bei World Boxing nach dem Kampf eine Unregelmäßigkeit an der Bandage, die einen Vorteil brachte, disqualifiziert er den Boxer sofort.
Welche Unzen gelten wo?
Die Größe eines Boxhandschuhs wird als Gewicht in Unzen (oz) angegeben, nicht als Handgröße. Eine Unze entspricht rund 28,35 Gramm. Ein Fachbeitrag zur Herstellung beschreibt, dass sich das Gewicht vor allem über die Zahl der Polsterlagen ergibt. Die Grafik zeigt, was die Regelwerke vorschreiben: je schwerer der Handschuh, desto mehr Polster.
Rund 227 g (8 oz) bis rund 454 g (16 oz). Die Details je Einsatz stehen in der Grafik darunter.
Handschuhgewicht nach Einsatz
Sparring und Training: keine Vorgabe in den geprüften Regelwerken.
Quellen: WBC Rules for Championship Fights (2017), WBA Rules (Stand April 2024), WBO Regulations (Oktober 2023), IBF Bout Rules (2025), World Boxing Competition Rules (Februar 2024), England Boxing Rule Book 2020, Fla. Admin. Code R. 61K1-4.019. Grammwerte gerundet. Stand 09.10.2026.
Drei Hinweise zur Grafik. Maßgeblich ist bei der WBO die Gewichtsklasse beim offiziellen Wiegen, nicht das Gewicht am Kampfabend. Die IBF weicht als einziger der vier großen Profiverbände ab und lässt Superweltergewichtler mit 8 Unzen boxen. Und für Sparring und Training haben wir in den Regelwerken der Verbände keine allgemeine Unzenzahl gefunden. Die schwereren Handschuhe in den beiden Beispielen gelten für Anfänger und ältere Amateure, nicht für das Training. Was im Verein getragen wird, legt der Trainer fest.
World Boxing regelt zusätzlich die Zusammensetzung: Das Leder darf höchstens die Hälfte des Gewichts ausmachen, die Polsterung mindestens die Hälfte. Der Lederteil muss aus hochwertigem Material wie Rindsleder bestehen. Wie die Gewichtsklassen selbst eingeteilt sind, erklären wir auf der Seite zu den Gewichtsklassen.
Schnürung oder Klettverschluss
Am Handgelenk unterscheiden sich Handschuhe am deutlichsten. Im Profiboxen sind geschnürte Handschuhe verbreitet. Die Regeln der New Yorker Athletic Commission zeigen, wie das abläuft: Ein Kommissionsvertreter beaufsichtigt das Anziehen in der Kabine, die Schnürsenkel werden am Handgelenk auf der Handrückenseite verknotet und mit einem 1 Zoll (etwa 2,5 Zentimeter) breiten Klebeband überklebt. Der Vertreter unterschreibt auf dem Tape. Die Handschuhe stellt der Veranstalter, sie müssen neu, sauber und unbeschädigt sein.
World Boxing geht den anderen Weg. Bei seinen Wettkämpfen sind nur Handschuhe mit Klettverschluss erlaubt. Der Verschluss wird mit höchstens einer Lage 5 Zentimeter breitem Tape abgedeckt, ausdrücklich, um Schnitte und Platzwunden beim Gegner zu vermeiden. Auch in Florida müssen bei Amateuren Schnürung wie Klettverschluss auf der Handrückenseite liegen und überklebt sein.
Daraus folgt ein praktischer Unterschied: Einen Schnürhandschuh kann man nicht allein schließen, das übernimmt der Betreuer, im Profikampf unter Aufsicht. Welche Variante besser sitzt, hängt vom Einsatz und vom Regelwerk ab.
Bandagen unter dem Handschuh
Unter jedem Wettkampfhandschuh steckt eine Bandage. Sie schützt Hand und Handgelenk und wird mit Tape gesichert. Material und Menge sind in allen Regelwerken begrenzt, und Tape auf der Schlagfläche der Knöchel ist überall verboten.
- iWBA: 10 bis 14 Yards Gaze
Bis Mittelgewicht 10 Yards und 6 Fuß Tape je Hand, schwerere Klassen bis 14 Yards und 10 Fuß. Max. 2 Zoll breit.
- iWBO: 12 Yards Gaze
In allen Klassen, max. 2 Zoll breit, höchstens 8 Fuß (2,438 m) Tape.
- iIBF: 10 Yards Gaze
6 Fuß Tape je Hand, mehr in Halbschwer-, Cruiser- und Schwergewicht.
- !WBC: beliebige Länge
Krepp oder Gaze, kein Tape über den Knöcheln. Bandagen danach versiegelt beim Supervisor.
- ✓World Boxing: 3,5 bis 4,5 m Klett
Elastische Klettbandagen, 5,7 cm breit, oder Profi-Bandagen aus festgelegten Rollen. Keine Substanzen.
WBA, WBO und IBF: Tape mindestens 1 Zoll von den Knöcheln entfernt. Tape auf der Schlagfläche ist überall verboten.

Regeln und Kontrolle vor dem Kampf
Dass Handschuhe und Bandagen den Regeln entsprechen, wird an mehreren Stellen geprüft. Bei der WBC werden die Handschuhe beim Wiegen ausgewählt und bleiben danach beim Supervisor oder der Kommission, bis sie in der Kabine an die Lager übergeben werden. Ein Ersatzpaar liegt am Ring. Wer die Handschuhe manipuliert, muss mit Sanktionen rechnen, und das Ersatzpaar wird zum Hauptpaar.
Bei der WBO dürfen sich die Lager auf eine Marke einigen, auch auf unterschiedliche Marken. Einigen sie sich nicht, stellt der Veranstalter mindestens vier identische neue Paare zur Auswahl und als Reserve. Vor dem Kampf prüft der Ringrichter Bandagen und Handschuhe, ob sie frei von Substanzen sind, die dem Gegner schaden könnten.
World Boxing verteilt die Kontrolle auf mehrere Offizielle. Der Boxer zieht seine Handschuhe vor dem Offiziellen an, der sie ausgegeben hat. Ein Equipment Manager kontrolliert die Ausrüstung vor dem Gang in die Halle, ein Cut-Techniker die Profi-Bandagen, bevor die Handschuhe darüberkommen. Im Ring prüft der Ringrichter noch einmal die Ausrüstung. Nach dem Kampf müssen die Handschuhe sofort ausgezogen werden, noch vor der Urteilsverkündung. Findet der Ringrichter dann eine Unregelmäßigkeit an der Bandage, die einen Vorteil gebracht hat, wird der Boxer sofort disqualifiziert. Mehr zu Fouls und Urteilen lesen Sie bei den Boxregeln.
- 1Wiegen: Auswahl
WBC: Handschuhe werden ausgewählt und bleiben beim Supervisor.
- 2Kabine: Bandagieren
Unter Aufsicht des Gegners, World Boxing: Cut-Techniker prüft.
- 3Kabine: Anziehen
Vor dem Offiziellen, der sie ausgegeben hat; Ersatzpaar am Ring.
- 4Ring: Prüfung
Der Ringrichter kontrolliert Bandagen und Handschuhe.
- 5Nach dem Kampf: Ausziehen
World Boxing: sofort, noch vor dem Urteil. Unerlaubte Bandage = Disqualifikation.
Kurze Geschichte des Boxhandschuhs
Gepolsterte Handschuhe gab es zuerst im Training. Jack Broughton, der 1743 die ersten festen Regeln des Boxens formulierte, gilt als Erfinder der sogenannten Mufflers. Mit diesen Polsterhandschuhen konnten Herren in seiner Schule üben, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Im Wettkampf setzten sich Handschuhe erst mit einem neuen Regelwerk durch.
Die Queensberry-Regeln, verfasst von John Graham Chambers, verlangten Handschuhe in Regel acht: „fair-sized boxing gloves of the best quality, and new“, also angemessen große, neue Handschuhe bester Qualität. Beim Jahr gehen die Quellen auseinander: Die WBA nennt 1865, ein Fachbeitrag zur Herstellung 1867 als Jahr der Veröffentlichung. Laut British Boxing Board of Control setzten sich die Regeln gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch. Mit Handschuhen verlor John L. Sullivan 1892 seinen Titel an James J. Corbett.
- 1743Mufflers
Jack Broughton: Polsterhandschuhe fürs Training.
- 1865/67Queensberry-Regeln
Regel acht verlangt neue Handschuhe bester Qualität.
- 1892Titel mit Handschuhen
Corbett schlägt Sullivan.
- 1982Daumen ohne Abstand
New York schreibt ihn für Profikämpfe vor.
- 1987IBF-Pflicht
Befestigter Daumen bei Titelkämpfen.
Der angenähte Daumen ist dagegen eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Anfang 1982 schrieb die New Yorker Kommission für Profikämpfe außer WM-Kämpfen Handschuhe ohne abstehenden Daumen vor, weil der Daumen als häufige Ursache von Augenverletzungen galt. Die IBF verlangt seit dem 1. Januar 1987 bei Titelkämpfen Handschuhe mit befestigtem Daumen. Wie sich das Boxen insgesamt entwickelt hat, zeigen unsere Porträts der Legenden, und wie der Kampfplatz selbst aufgebaut ist, erklärt der Boxring.
Häufige Fragen
Welche Boxhandschuhe tragen Profis im Kampf?
Was bedeutet oz bei Boxhandschuhen?
Welche Unzen gelten im Amateurboxen?
Welche Boxhandschuhe nimmt man für Sparring und Training?
Warum ist der Daumen am Boxhandschuh angenäht?
Schnürung oder Klettverschluss: Was ist erlaubt?
Wie lang dürfen Bandagen sein?
Quellen
- World Boxing: Competition Rules (Feb 2024, v3.9), Rules 8.2, 8.11, 10.10, 10.11, 13.1 Gloves, 13.2 Handwraps
- WBC: Rules for Championship Fights (synthesized version, 2017), Punkte 5 und 6
- WBA: Rules (Stand April 2024), Rules 25 und 26, Female Boxing Rule 8
- WBO: Regulations of World Championship Contests (Oktober 2023), Sections 28 bis 30
- IBF: Rules for IBF, USBA & Intercontinental Championship and Elimination Bouts (2025)
- New York State Athletic Commission: 19 NYCRR § 211.9
- Florida: Fla. Admin. Code R. 61K1-4.019 (Amateure: Bandagen, Handschuhe)
- England Boxing: Rule Book 2020, Abschnitt 6.7
- How Products Are Made: Boxing Gloves
- TITLE Boxing: Great Official Pro Fight Gloves (Herstellerangabe)
- Christian Science Monitor: Safer boxing glove could be a knockout in New York (18.01.1982)
- US-Patent 4457023: Boxing glove with thumb tie down (1984)
- US-Patent 2284300: Boxing glove (1942)
- British Boxing Board of Control: The History of Boxing
- Encyclopaedia Britannica: Jack Broughton
- WBA: Why the Ring Is Called a Ring
Veröffentlicht am 09.10.2026 · zuletzt geprüft am 09.10.2026 · So arbeiten wir




