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Illustration: Ausrüstung als Stillleben, Sinnbild für Eckhard Dagge (mit AI erstelltes Bild)
AIMit AI erstelltes Bild
Legende · Halbmittelgewicht

Eckhard Dagge: Bilanz, WM-Titel, Trainer und Tod des Weltmeisters

46 Jahre lang war Max Schmeling Deutschlands einziger Profi-Weltmeister, dann kam Eckhard Dagge: Am 18.06.1976 gewann er in der Berliner Deutschlandhalle den WBC-Titel im Halbmittelgewicht und hielt ihn 414 Tage.

Stand 13.10.2026Redaktion boxwetten.deKeine Wettwerbung
26Profisiege in 32 Kämpfen
16K.o.-Siege
414Tage WBC-Weltmeister
2Titelverteidigungen
Eckhard DaggeErster deutscher Profi-Weltmeister nach Max Schmeling: WBC-Weltmeister im Halbmittelgewicht 1976–1977
62 %K.o.-Quote
Siege
26
davon K.o.
16
Niederlagen
5
Unentschieden
1
WBC

1 WM-Gürtel · 1,1 Jahre Weltmeister · 2 Titelverteidigungen

Halbmittelgewicht (Superwelter) · Profikämpfe: 32 · Karriere: 1973–1981 (Rücktritt 1978, Comeback und endgültiger Abschied 1981)

Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.

Eckhard Dagge auf einen Blick

Eckhard Dagge war der zweite deutsche Profiboxer, der Weltmeister wurde. Als er am 18.06.1976 in Berlin den WBC-Titel im Halbmittelgewicht gewann, war Max Schmelings Alleinstellung nach 46 Jahren und 6 Tagen zu Ende. Dagge hielt den Gürtel 414 Tage, verteidigte ihn zweimal und verlor ihn am 06.08.1977 durch K.o. an Rocky Mattioli. Seine Profibilanz: 32 Kämpfe, 26 Siege, 5 Niederlagen, 1 Remis.

Berühmt blieb er als der Weltmeister, der nach Schmeling kam. Später trainierte er Dariusz Michalczewski, den späteren Weltmeister im Halbschwergewicht. Dagge starb 2006 im Alter von 58 Jahren in Hamburg, mehr dazu weiter unten.

Steckbrief
Geboren27.02.1948, gestorben am 04.04.2006 in Hamburg (58 Jahre)
GewichtsklasseHalbmittelgewicht
Profibilanz26 Siege, 5 Niederlagen, 1 Remis (32 Kämpfe)
K.o.-Siege16
TitelDeutscher Meister im Mittelgewicht (1973), Europameister im Halbmittelgewicht (1975 bis 1976), WBC-Weltmeister im Halbmittelgewicht (1976 bis 1977)
Aktive Jahre1973 bis 1981
Amateurbilanz66 Siege in 80 Kämpfen

Gut zu wissen: Die Gewichtsklasse heißt im Deutschen Halbmittelgewicht, im Englischen Light Middleweight oder Super Welterweight. Manche Nachrufe nennen Dagge deshalb „Mittelgewichts-Weltmeister“, was nicht stimmt: Sein WBC-Titel galt im Halbmittelgewicht.

Herkunft und Amateurzeit

Eckhard Dagge wurde am 27.02.1948 in Probsteierhagen in Schleswig-Holstein geboren. Er fing spät mit dem Boxen an: Mit 20 Jahren meldete er sich beim BC Travemünde an. Als Amateur bestritt er nach Angaben der Biografie von Munzinger 80 Kämpfe und gewann 66 davon. 1971 und 1972 wurde er deutscher Vizemeister, bei den Europameisterschaften 1971 in Madrid schied er gegen Manfred Wolke aus, der später als Trainer von Henry Maske bekannt wurde. Für die Olympischen Spiele 1972 in München wurde er nicht nominiert; den Platz im Team erhielt Dieter Kottysch. Dagge wurde Profi.

Die ersten Profijahre

Sein Debüt gab er am 02.03.1973 in der Berliner Deutschlandhalle mit einem K.o.-Sieg in der ersten Runde gegen Hans Heukeshoven. Er stand bei Fritz Gretzschel unter Vertrag, der früher die Karriere von Bubi Scholz begleitet hatte. Schon am 03.06.1973 gewann Dagge den deutschen Meistertitel im Mittelgewicht durch K.o. gegen Klaus-Peter Tombers.

Zum Training reiste er in die USA zu Eddie Futch, dem Trainer von Joe Frazier und Ken Norton. Im Halbmittelgewicht kam der nächste Titel: Am 24.06.1975 stoppte er in der Deutschlandhalle den Spanier José Durán in der neunten Runde und wurde Europameister. Im Januar 1976 verlor er den Titel in Berlin nach Punkten an Vito Antuofermo.

Der WM-Kampf gegen Elisha Obed

Am 18.06.1976 stand Dagge, 28 Jahre alt, in der Berliner Deutschlandhalle dem Weltmeister Elisha Obed von den Bahamas gegenüber. Es wurde ein ungewöhnlicher Abend: Nach Angaben des Tagesspiegels lag Obed bei allen drei Punktrichtern vorn, als er nach der zehnten Runde aufgab. Er sagte, er könne nichts mehr sehen. Dagge gewann den Titel durch Aufgabe des Gegners und war damit der zweite deutsche Boxweltmeister nach Max Schmeling.

Schmeling hatte seinen Titel 1930 gewonnen, nach Disqualifikation des Gegners. Dagge soll später gesagt haben, Schmeling habe seinen Titel im Liegen gewonnen, er seinen im Stehen. Gemeint war der Umstand, dass Schmeling 1930 durch einen Tiefschlag Jack Sharkeys zum Titel kam.

Berlin als Heimat der Titelkämpfe

Alle vier WM-Kämpfe Dagges fanden in Berlin statt, der Titelgewinn gegen Obed in der Deutschlandhalle. Auch seine Europameisterschaften 1975 und 1976 und sein Profidebüt 1973 boxte er in Berlin. Die Stadt, in der schon Bubi Scholz seine Anhänger hatte, blieb damit der Ort seiner größten Abende.

Die Titelverteidigungen

Seine erste Verteidigung bestritt Dagge am 18.09.1976 in Berlin gegen Emile Griffith. Griffith war eingesprungen, nachdem Sugar Ray Seales ausgefallen war. Der frühere mehrfache Weltmeister bestritt in diesem Kampf seinen letzten Titelkampf. Dagge gewann nach Mehrheitsentscheidung über 15 Runden.

Am 15.03.1977 folgte, wieder in Berlin, ein 15-Runden-Kampf gegen den Engländer Maurice Hope. Er endete unentschieden, und Dagge behielt damit den Gürtel. Hope wurde einige Jahre später selbst Weltmeister.

Der Verlust des Titels

Am 06.08.1977 verlor Dagge den WBC-Titel in Berlin durch K.o. in der fünften Runde an den Italiener Rocky Mattioli. Seine Regentschaft hatte 414 Tage gedauert. Mattioli, ein in Australien lebender Italiener, nahm ihm damit den Gürtel ab, den Dagge ein Jahr zuvor in Berlin gewonnen hatte. Schon die beiden Verteidigungen waren knapp gewesen, die Niederlage war dagegen eindeutig. 1978 kündigte Dagge seinen Rücktritt an, 1981 versuchte er ein Comeback und bestritt vier weitere Kämpfe. Sein letzter Kampf war am 06.11.1981, danach beendete er seine Laufbahn endgültig.

Die großen Kämpfe

DatumGegnerErgebnisWas der Kampf brachte
02.03.1973Hans HeukeshovenSieg durch K.o. in Runde 1, BerlinProfidebüt
03.06.1973Klaus-Peter TombersSieg durch K.o.Deutscher Meister im Mittelgewicht
24.06.1975José DuránSieg durch technischen K.o. in Runde 9, BerlinEuropameister im Halbmittelgewicht
Januar 1976Vito AntuofermoNiederlage nach Punkten, BerlinVerlust des Europameistertitels
18.06.1976Elisha ObedSieg, Aufgabe nach Runde 10, BerlinWBC-Weltmeister im Halbmittelgewicht
18.09.1976Emile GriffithSieg nach Mehrheitsentscheidung, BerlinErste Titelverteidigung gegen einen Ex-Weltmeister
15.03.1977Maurice HopeRemis nach 15 Runden, BerlinZweite Verteidigung, Titel behalten
06.08.1977Rocky MattioliNiederlage durch K.o. in Runde 5, BerlinVerlust des Weltmeistertitels

Der Stil im Ring

Tuschezeichnung mit gesichtslosen Figuren: Dagge drängt, Obed gibt in Runde 10 auf (mit AI erstelltes Bild) AI Mit AI erstelltes Bild
Nach überlieferten Berichten: Dagge drängt, Obed gibt in Runde 10 auf · Rote Hose: Dagge · Bewegungsablauf: Beide auf Distanz in Deckung, Dagge rückt in Deckung vor, Dagges linke Hand schießt vor, Dagges linke Gerade trifft Obed am Kopf, Obeds Kopf geht zurück, Obed weicht angeschlagen zurück, Dagge setzt nach, Obed dreht sich weg, Runde 10: Obed gibt auf, Dagge ist Weltmeister · Mit AI erstellte Tuschezeichnung mit gesichtslosen Figuren, keine Fotografie

Von seinen 26 Siegen gewann Dagge 16 durch K.o., das sind gut 60 Prozent. Beide großen Titelkämpfe seiner Laufbahn endeten vorzeitig: Gegen Durán siegte er durch technischen K.o. in Runde 9, gegen Obed durch dessen Aufgabe nach Runde 10. Seine beiden Verteidigungen dagegen gingen über die volle Distanz von 15 Runden, eine mit Mehrheitsentscheidung, eine mit Remis.

Ausgebildet wurde er unter anderem in den USA bei Eddie Futch. Weltmeister Obed gab nach zehn Runden auf, obwohl er nach Punkten vorn lag. Das spricht dafür, dass Dagge seine Gegner über die Distanz belasten konnte.

Dagge in Zahlen

Dagges Profilaufbahn dauerte von 1973 bis 1981 und umfasst 32 Kämpfe. Er gewann 26 davon, 16 durch K.o. und 10 nach Punkten, er verlor 5 und boxte einmal unentschieden. Vier seiner Kämpfe waren WM-Kämpfe: der Titelgewinn gegen Obed, die beiden Verteidigungen gegen Griffith und Hope und die Niederlage gegen Mattioli. Aus diesen vier Abenden bestand seine gesamte Zeit als Weltmeister.

Hinzu kommen der Europameistertitel im Halbmittelgewicht, den er etwa ein halbes Jahr hielt, und der deutsche Meistertitel im Mittelgewicht von 1973. Seine Titelsammlung war überschaubar, enthielt aber den Gürtel, der in Deutschland nach 1930 lange fehlte.

Wie Dagge in Erinnerung blieb

Der Nachruf des Tagesspiegels trug die Überschrift „Er ließ nur Max Schmeling gelten“, die Nordwest-Zeitung nannte ihn „Der vergessene Weltmeister“. Beide Überschriften sagen etwas über seine Rolle: Dagge war ein Weltmeister, den man im Schatten Schmelings, Maskes und der Klitschkos leicht übersieht, obwohl er der Erste nach Schmeling war.

Trainer, Alkohol und Tod

Nach dem Rücktritt arbeitete Dagge als Trainer. Von 1991 bis 1994 war er Chefcoach von Dariusz Michalczewski im Hamburger Universum-Stall. 1994 trennte sich der Stall von ihm, weil seine Alkoholprobleme den Trainerjob unmöglich machten. Später führte er eine Gaststätte in Timmendorfer Strand.

Am 04.04.2006 starb Eckhard Dagge im Alter von 58 Jahren im Hospiz Leuchtfeuer in Hamburg-St. Pauli. Er ist auf dem Waldfriedhof in Scharbeutz bei Lübeck beigesetzt. Er starb gut 14 Monate nach Max Schmeling, den er als Einzigen über sich gelten ließ. Nach Berichten des Tagesspiegels erlag er einem Krebsleiden.

Alkohol und Selbstbild

Dagge sprach offen über sein Trinken. Der Tagesspiegel und BOXEN1 überliefern seinen Satz, viele Weltmeister seien Alkoholiker geworden, er sei der Alkoholiker, der Weltmeister wurde. Die Jungle World schrieb 2006, der Alkohol habe seine Gesundheit dauerhaft geschädigt, das Umfeld im Boxen habe es hingenommen. Als der Universum-Stall sich 1994 von ihm trennte, verlor er seinen größten Schützling Dariusz Michalczewski an einen anderen Trainer.

Das Comeback 1981 und das Ende im Ring

Nach der Rücktrittsankündigung 1978 stand Dagge 1981 noch einmal im Ring. Nach Angaben von BOXEN1 bestritt er vier weitere Kämpfe, der letzte am 06.11.1981 endete mit einer Niederlage durch technischen K.o. in Runde 2 gegen den Engländer Brian Anderson. Danach beendete er die Karriere endgültig, später kam der Trainerjob bei Universum.

Eckhard Dagge heute: Was von ihm bleibt

Eckhard Dagge ist seit 2006 tot, ein „heute“ im Wortsinn gibt es also nicht. Geblieben sind der Eintrag als zweiter deutscher Profi-Weltmeister und, laut Jungle World und BOXEN1, seine Gürtel in der Hamburger Kneipe „Ritze“ auf der Reeperbahn, wo er später als Trainer arbeitete. Sein Titelgewinn 1976 fiel in eine Zeit, in der das deutsche Boxen im Westen vor allem zwei andere Namen kannte. Bubi Scholz hatte 1964 aufgehört. Karl Mildenberger hatte im selben Jahr den EM-Titel im Schwergewicht gewonnen und 1966 gegen Muhammad Ali um die Weltkrone gekämpft. Dagge erreichte 1976 den Titel, der den beiden versagt blieb.

Bedeutung für das deutsche Boxen

Dagge steht für die lange Pause zwischen den Weltmeistern: zwischen Max Schmeling 1930 und ihm 1976 vergingen 46 Jahre ohne deutschen Profi-Weltmeister, danach kamen Henry Maske, Dariusz Michalczewski und viele mehr. Sein Name steht in der Liste der deutschen Boxweltmeister, die Verbände erklärt die Seite Weltverbände.

Weitere Porträts: Dariusz Michalczewski, den er trainierte, Bubi Scholz, dessen früherer Manager seine Karriere begleitete, und die Legenden-Übersicht.

Häufige Fragen

Wann wurde Eckhard Dagge Weltmeister?

Am 18.06.1976 in der Berliner Deutschlandhalle. Er besiegte den Bahamaer Elisha Obed, der nach der zehnten Runde aufgab, und gewann damit den WBC-Titel im Halbmittelgewicht. Manche Quellen nennen den 17.06.1976.

War Dagge der erste deutsche Boxweltmeister?

Nein, der erste war Max Schmeling (1930). Dagge war nach Schmeling der zweite deutsche Profi-Weltmeister und beendete damit eine Wartezeit von 46 Jahren und 6 Tagen.

Wie viele Kämpfe hat Eckhard Dagge verloren?

Fünf von 32 Profikämpfen, bei 26 Siegen und einem Remis. Zu den Niederlagen zählen die gegen Vito Antuofermo im Januar 1976 (Verlust des Europameistertitels) und gegen Rocky Mattioli am 06.08.1977 (Verlust des WM-Titels).

Gegen wen verlor Dagge den WM-Titel?

Gegen den Italiener Rocky Mattioli, der ihn am 06.08.1977 in Berlin in der fünften Runde k.o. schlug. Dagge war zu diesem Zeitpunkt 414 Tage Weltmeister.

Was machte Eckhard Dagge nach der Karriere?

Er arbeitete als Trainer und betreute von 1991 bis 1994 Dariusz Michalczewski, bis er wegen seiner Alkoholprobleme entlassen wurde. Später führte er eine Gaststätte in Timmendorfer Strand. Ein Comeback 1981 brachte keinen Erfolg mehr.

Lebt Eckhard Dagge noch? Woran starb er?

Nein. Eckhard Dagge starb am 04.04.2006 mit 58 Jahren in einem Hospiz in Hamburg-St. Pauli an einem Krebsleiden, gut 14 Monate nach Max Schmeling. Er ist auf dem Waldfriedhof in Scharbeutz bei Lübeck beigesetzt.

Hatte Dagge ein Alkoholproblem?

Ja, er selbst machte kein Geheimnis daraus. Er soll gesagt haben, viele Weltmeister seien Alkoholiker geworden, er sei der Alkoholiker, der Weltmeister wurde. 1994 trennte sich der Universum-Stall wegen seines Alkoholkonsums von ihm als Trainer von Dariusz Michalczewski.

Wie kam Eckhard Dagge zum Boxen?

Er begann mit 20 Jahren beim BC Travemünde, relativ spät. Als Amateur gewann er 66 von 80 Kämpfen, wurde 1971 und 1972 deutscher Vizemeister und verpasste knapp die Olympischen Spiele 1972. Danach wurde er Profi.

Wer war Dagges Manager?

Fritz Gretzschel, der früher auch Bubi Scholz betreut hatte. Unter Gretzschel gab Dagge am 02.03.1973 in der Berliner Deutschlandhalle sein Profidebüt.

Welche Gewichtsklasse boxte Eckhard Dagge?

Das Halbmittelgewicht, im Englischen Light Middleweight oder Super Welterweight genannt. Das Limit liegt bei 154 Pfund, rund 69,9 Kilogramm.

Veröffentlicht am 07.10.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir