★Hall of Fame★
Karl
Mildenberger
53–6–319 K.o.
19581968
WM-Herausforderer, ohne Titel
Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.
Karl Mildenberger auf einen Blick
Karl Mildenberger war der beste deutsche Schwergewichtler der 1960er Jahre. Er kam aus Kaiserslautern, boxte Linksauslage und wurde am 17.10.1964 in Berlin Europameister. Seinen größten Kampf bestritt er am 10.09.1966 im Frankfurter Waldstadion gegen Muhammad Ali. Er verlor in Runde 12, war aber, wie Berichte festhalten, der erste Linksausleger, der um den Schwergewichts-Weltmeistertitel antrat. Seine Profibilanz: 62 Kämpfe, 53 Siege, 6 Niederlagen, 3 Remis.
Zum Weltmeister reichte es nicht, doch an den Kampf gegen Ali wird im deutschen Boxen bis heute erinnert.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Geboren | 23.11.1937 in Kaiserslautern, gestorben am 04.10.2018 (80 Jahre) |
| Gewichtsklasse | Schwergewicht, Linksauslage |
| Profibilanz | 53 Siege, 6 Niederlagen, 3 Remis (62 Kämpfe) |
| K.o.-Siege | 19 |
| Titel | Europameister im Schwergewicht (EBU), 17.10.1964 bis 18.09.1968 |
| WM-Kampf | 10.09.1966 gegen Muhammad Ali, Niederlage durch technischen K.o. in Runde 12 |
| Aktive Jahre | 1958 bis 1968 |
Gut zu wissen: Mildenberger wurde nie Weltmeister. Sein einziger WM-Kampf war der gegen Ali. Als Europameister stand er für die wenigen Europäer, die in den 1960er Jahren zur Weltspitze im Schwergewicht gezählt wurden.
Herkunft und Amateurzeit
Karl Mildenberger wurde am 23.11.1937 in Kaiserslautern geboren. Sein Onkel Richard leitete die Boxabteilung des 1. FC Kaiserslautern und brachte ihn zum Boxen. Schon 1946 begann Karl dort im Jugendtraining, mit elf Jahren bestritt er seinen ersten Amateurkampf. Weil große Teile der Stadt im Krieg zerstört waren, trainierten die Jungen im Sommer auf der Wiese am Betzenberg und im Winter in den Katakomben der Nordtribüne. 1956 gehörte er zum westdeutschen Amateurkader, 1958 wurde er deutscher Amateurmeister. Noch im selben Jahr wechselte er zu den Profis.
Die ersten Profijahre
Sein Profidebüt gab er am 15.10.1958 in Stuttgart mit einem K.o.-Sieg in der ersten Runde gegen Manfred Striemer. Am 24.02.1962 bekam er in Dortmund die Chance auf den Europameistertitel, doch Titelverteidiger Dick Richardson aus Wales schlug ihn in Runde 1 k.o., BoxRec hält den Schlag als rechte Gerade an den Kiefer fest. Die Boulevardpresse spottete über ihn. Nach Angaben des FCK übernahm 1960 Bruno Müller als Trainer und Manager seine Betreuung.
Mildenberger arbeitete sich zurück. Am 17.04.1964 erreichte er in der Frankfurter Festhalle ein Remis über zehn Runden gegen den US-Amerikaner Zora Folley, einen der besten Schwergewichtler der Welt. Dieser Kampf machte ihn international bekannt. Im Februar 1966 folgte, nur wenige Monate vor dem Ali-Kampf, ein Punktsieg über den namhaften US-Amerikaner Eddie Machen, mit dem er sich für den WM-Kampf empfahl.
Der Europameistertitel
Am 17.10.1964 gewann Mildenberger in Berlin den vakanten EBU-Titel im Schwergewicht durch K.o. in der ersten Runde gegen den Italiener Sante Amonti. Es war sein 45. Profikampf. Der Titel blieb vier Jahre in seinem Besitz, und er verteidigte ihn sechsmal, überwiegend nach Punkten. Zu seinen Gegnern zählten Gerhard Zech und Piero Tomasoni, in London besiegte er den Briten Billy Walker durch K.o. in Runde 8.
Der Kampf gegen Muhammad Ali
Am 10.09.1966 stand Mildenberger im Frankfurter Waldstadion dem Weltmeister Muhammad Ali gegenüber. Es war der erste Kampf um den Schwergewichts-Titel in Deutschland, Berichte nennen zwischen 30.000 und 45.000 Zuschauer. Ali war haushoher Favorit, die Quoten lagen bei 10 zu 1 gegen den Herausforderer. Er war ungeschlagen (25 Siege), es war seine sechste Titelverteidigung.
Mildenbergers Linksauslage bereitete Ali anfangs sichtbar Probleme. Nach Angaben von BoxingNews24 landete Alis Jab zunächst eher an der Führschulter als am Gesicht; erst als Ali seine Fußarbeit anpasste und um Mildenbergers vorderen Fuß herum kreiste, öffnete sich der Weg für die rechte Gerade. In den Runden 6 und 7 drängte Mildenberger ihn mit der linken Hand zurück.
Ab Runde 5 aber schlug Ali durch. In den Runden 5, 8 und 10 schickte er Mildenberger zu Boden, jedes Mal rappelte der Deutsche sich auf. Sein linkes Auge war in Runde 6 aufgeplatzt und schwoll bis Runde 8 fast zu. Alis Trainer Angelo Dundee erinnerte sich später, dass ein Körpertreffer zur Leber in Runde 10 Ali schwer getroffen habe. In Runde 12 stoppte der Ringrichter den Kampf. Ali nannte es später den härtesten Kampf seit dem Sieg über Sonny Liston.
Mildenberger in Zahlen und seine Gegner
Mildenberger bestritt 62 Profikämpfe. 53 gewann er, 19 davon durch K.o., also etwa ein Drittel. Seine Siege kamen damit überwiegend nach Punkten. Er verlor sechs Kämpfe und boxte dreimal unentschieden. Als Europameister war er fast vier Jahre lang im Amt, vom 17.10.1964 bis zum 18.09.1968.
Die Gegner, an denen er gemessen wurde, kamen aus ganz Europa und Amerika: Dick Richardson aus Wales, der ihn 1962 in der ersten Runde stoppte, der Amerikaner Zora Folley, gegen den er unentschieden boxte, der Italiener Sante Amonti, den er zum Titelgewinn schlug, und der Argentinier Oscar Bonavena, der ihn 1967 nach Punkten besiegte. Henry Cooper, der ihm 1968 den Europameistertitel abnahm, hatte 1966 selbst gegen Ali verloren: Ali besiegte ihn im Frühjahr, wenige Monate vor dem Kampf in Frankfurt.
Der Ort: das Waldstadion
Dass der erste Schwergewichts-WM-Kampf auf deutschem Boden in Frankfurt stattfand, war eine Ausnahme: Die großen Titelkämpfe der Zeit liefen in den USA und in London. Nach SPORT1 kamen 35.000 Zuschauer. Mildenberger war als Europameister der natürliche Gegner für Ali, der in den Monaten zuvor Chuvalo, Cooper und London in Europa und Kanada besiegt hatte. Für den Herausforderer sprachen die Zahlen nicht: 10 zu 1 standen die Quoten gegen ihn. Dass er den Kampf bis in die zwölfte Runde trug, galt deshalb als Erfolg.
Die Jahre nach Ali
Mildenberger boxte weiter und verteidigte seinen Europameistertitel. Am 16.09.1967 verlor er im Frankfurter Waldstadion einstimmig nach Punkten gegen Oscar Bonavena, in einem Ausscheidungskampf im Rennen um den Titel, der Ali zuvor aberkannt worden war. Am 18.09.1968 kam das Ende: In London verlor er gegen Henry Cooper den Europameistertitel, weil ihm in Runde 8 ein Kopfstoß vorgeworfen wurde. Cooper war da klar nach Punkten vorn, Mildenbergers Manager Wolfgang Müller bestritt den Kopfstoß und forderte eine Revanche. Der Kampf blieb sein letzter.
Nach dem Boxen arbeitete er in der Kaiserslauterer Brauerei und danach bis zum Ruhestand als Bademeister für die Stadt Kaiserslautern. 2003 erhielt er den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Er starb am 04.10.2018 im Alter von 80 Jahren in Kaiserslautern.
Ehefrau, Kinder und Tod: Was über sein Privatleben bekannt ist
Belegt ist, dass er verheiratet war: Die Nachricht von seinem Tod gab seine Frau gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannt, die Tagesspiegel und BOXEN1 zitierten. Ihren Namen nennen die Nachrufe nicht, auch zu Kindern oder einem Sohn finden sich in den Berichten keine Angaben.
Mildenberger starb in einem Hospiz in seiner Heimatstadt. Eine Todesursache nennt keiner der Nachrufe. Der 1. FC Kaiserslautern hatte schon zum 80. Geburtstag berichtet, er lebe krankheitsbedingt sehr zurückgezogen im Stadtteil Hohenecken. Bis ins Alter blieb er dem Boxen verbunden: Er arbeitete jahrzehntelang als Bademeister in Kaiserslautern und half ehrenamtlich bei der Förderung junger Boxer.
Mildenberger, Scholz und Dagge: Deutsches Profiboxen nach dem Krieg
Mildenberger gehört in eine Reihe von Berufsboxern, die zwischen Schmeling und Maske den Hallen und Stadien des Westens Publikum brachten. Bubi Scholz war in den 1950er Jahren der Berliner Star und beendete seine Laufbahn 1964, im Jahr von Mildenbergers EM-Titel. Eckhard Dagge gewann 1976 als zweiter deutscher Profi nach Schmeling einen Weltmeistertitel, im Halbmittelgewicht. Während Scholz und Dagge ihre großen Abende in Berlin hatten, boxte Mildenberger seine größten Abende in Frankfurt, Berlin und London. Eine Übersicht aller deutschen Titelträger bietet die Liste der deutschen Boxweltmeister, aktuelle Titelträger zeigt der Weltmeister-Tracker.
Die großen Kämpfe
| Datum | Gegner | Ergebnis | Was der Kampf brachte |
|---|---|---|---|
| 15.10.1958 | Manfred Striemer | Sieg durch K.o. in Runde 1, Stuttgart | Profidebüt |
| 24.02.1962 | Dick Richardson | Niederlage durch K.o. in Runde 1, Dortmund | Erste EM-Chance, früher Rückschlag |
| 17.04.1964 | Zora Folley | Remis nach 10 Runden, Frankfurt | Durchbruch gegen einen Top-Gegner |
| 17.10.1964 | Sante Amonti | Sieg durch K.o. in Runde 1, Berlin | Europameister im Schwergewicht |
| Februar 1966 | Eddie Machen | Sieg nach Punkten | Sprungbrett zum WM-Kampf |
| 10.09.1966 | Muhammad Ali | Niederlage durch technischen K.o. in Runde 12, Frankfurt | WM-Kampf vor 30.000 bis 45.000 Zuschauern |
| 16.09.1967 | Oscar Bonavena | Niederlage nach Punkten (einstimmig), Frankfurt | Ausscheidungskampf im Titelturnier |
| 18.09.1968 | Henry Cooper | Niederlage durch Disqualifikation in Runde 8, London | Verlust des Europameistertitels, letzter Kampf |
Der Signature-Stil
Mildenberger war Linksausleger, im Schwergewicht der 1960er Jahre eine Ausnahme. Gegen Ali verschob die verkehrte Auslage die Abstände, wie oben beschrieben. Mit der linken Hand machte Mildenberger vor allem in den Runden 6 und 7 Druck.
Seine K.o.-Quote ist mit 19 vorzeitigen Siegen aus 53 Erfolgen moderat. Die beiden bekanntesten Beispiele sind der K.o. in Runde 1 gegen Amonti, der ihm den Titel brachte, und der K.o. in Runde 8 gegen Billy Walker in London. Der Filmbericht von British Pathé zum Walker-Kampf zeigt den Briten am Boden und das Ende des Kampfes.
Bedeutung für das deutsche Boxen
Mildenberger ist einer der Namen zwischen Max Schmeling und Axel Schulz, die im Schwergewicht um die Weltspitze mitkämpften. Gegen Ali, einen der besten Boxer aller Zeiten, hielt er zwölf Runden durch, obwohl er als klarer Außenseiter antrat. Mehr über den Gegner dieses Abends steht auf der Seite zu Muhammad Ali, seinen berühmtesten Kampf in Afrika beschreibt Rumble in the Jungle.
Die deutschen Weltmeister finden Sie in der Liste der deutschen Boxweltmeister, die Klasse erklärt die Seite Gewichtsklassen. Weitere Porträts: Axel Schulz, der Jahrzehnte später um die Schwergewichts-Krone kämpfte, und die Legenden-Übersicht.
Häufige Fragen
Wann kämpfte Karl Mildenberger gegen Muhammad Ali?
Wie oft wurde Mildenberger gegen Ali zu Boden geschickt?
Wie viele Kämpfe hat Karl Mildenberger verloren?
War Karl Mildenberger Weltmeister?
Warum war der Ali-Kampf in Frankfurt besonders?
Woran starb Karl Mildenberger?
Hatte Karl Mildenberger eine Ehefrau und Kinder?
Was machte Mildenberger nach dem Boxen?
Was war an Mildenbergers Stil besonders?
Wie endete die Karriere von Karl Mildenberger?
Quellen
- BoxingScene: Karl Mildenberger, former EBU champ and Ali foe, passes away
- BoxRec: Karl Mildenberger
- BoxingNews24: Muhammad Ali solves Karl Mildenberger's southpaw puzzle
- Sport1: Ehemaliger Ali-Gegner Karl Mildenberger gestorben
- Tagesspiegel: Karl Mildenberger ist tot (05.10.2018)
- BOXEN1: Mit 80 Jahren, Karl Mildenberger gestorben
- Pfalzgeschichte: Karl is the best (Tod von Karl Mildenberger)
- 1. FC Kaiserslautern: Karl Mildenbergers großer Kampf gegen Muhammad Ali
- 1. FC Kaiserslautern: Lautrer Boxlegende Karl Mildenberger wird 80
Veröffentlicht am 26.09.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir






