★Hall of Fame★
Markus
Beyer
35–3–113 K.o.
19962008
1 WM-Gürtel · 3,7 Jahre Weltmeister
Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.
Markus Beyer auf einen Blick
Markus Beyer schaffte nach der Wende den Sprung an die Weltspitze des deutschen Profiboxens. Er stammte aus dem Erzgebirge, hatte als Amateur für die DDR und später für das vereinte Deutschland geboxt und wurde 1999 Weltmeister des Verbands WBC im Supermittelgewicht. Den Titel verlor er, holte ihn 2003 zurück, verlor ihn erneut und gewann ihn im Oktober 2004 ein drittes Mal. Seine Bilanz: 39 Kämpfe, 35 Siege, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden.
Nach Angaben von Sport1 war er nach Max Schmeling und Graciano Rocchigiani der dritte deutsche Boxer, der im Ausland Weltmeister wurde. Das gelang ihm im Oktober 1999 in Telford gegen den Briten Richie Woodhall.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Geboren | 28.04.1971 in Erlabrunn (Sachsen), gestorben am 03.12.2018 in Berlin |
| Gewichtsklasse | Supermittelgewicht (bis 168 Pfund, etwa 76,2 Kilogramm) |
| Profibilanz | 35 Siege (13 durch K.o.), 3 Niederlagen, 1 Unentschieden, 39 Kämpfe (nach BoxRec) |
| Titel | WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, dreimal |
| Aktive Jahre | 1996 bis 2008 (letzter Kampf 14.03.2008) |
| Amateurbilanz | 235 Siege in 274 Kämpfen |
| Trainer / Promoter | Ulli Wegner / Wilfried Sauerland |
Gut zu wissen: Die Zahl der Titelverteidigungen hängt davon ab, wie man den Kampf gegen Sakio Bika im Mai 2006 zählt. Er wurde nach vier Runden wegen einer Verletzung abgebrochen und als technisches Unentschieden gewertet. In der Bilanz zählt er deshalb als Unentschieden, nicht als Sieg.
Herkunft und Amateurkarriere
Beyer wurde am 28.04.1971 in Erlabrunn im Erzgebirge geboren. Ulli Wegner, der später sein Profitrainer wurde, holte ihn noch zu DDR-Zeiten nach Gera. 1988 gewann Beyer die Meisterschaft der DDR im Fliegengewicht. Nach der Wiedervereinigung boxte er für Deutschland und wurde 1993 und 1995 deutscher Meister im Halbmittelgewicht. Bei den Weltmeisterschaften 1993 erreichte er das Viertelfinale.
Zweimal startete er bei Olympischen Spielen, jeweils im Halbmittelgewicht. Bei den Spielen 1992 in Barcelona kam er auf den geteilten neunten Rang, 1996 in Atlanta auf Platz sieben. Eine Medaille gewann er dort nicht. Seine Amateurbilanz wird mit 235 Siegen bei 274 Kämpfen angegeben, so nennen es Olympedia und Sport1 übereinstimmend.
Direkt nach den Spielen von Atlanta wurde er Profi. Er unterschrieb bei Wilfried Sauerland und blieb unter der Anleitung von Ulli Wegner. Sein Profidebüt gab er am 01.11.1996 in München mit einem technischen K.o. in Runde 6 gegen Eric Davis.
Der erste Titel in Telford
Nach den ersten Profijahren gewann er 1999 den Titel der IBF Inter-Continental im Supermittelgewicht und kämpfte sich damit in die Weltrangliste. Am 23.10.1999 trat er in Telford (England) gegen den WBC-Weltmeister Richie Woodhall an und gewann einstimmig nach Punkten. Nach Beyers eigener Darstellung lauteten die Wertungen 114:113, 115:113 und 115:111 zu seinen Gunsten. Es war sein erster Weltmeistertitel und ein Auswärtssieg, was bei deutschen Titelträgern selten war.
Die erste Regentschaft dauerte nur gut sechs Monate. Am 29.01.2000 verteidigte er den Titel gegen den Schweden Leif Keiski durch K.o. in Runde 7, der Kampf lief bei Eurosport. Am 06.05.2000 verlor er den Gürtel durch technischen K.o. in Runde 12 an den Briten Glenn Catley.
Das Comeback 2003 und die Lucas-Entscheidung
Im Frühjahr 2003 bekam Beyer die Chance, sich den Titel zurückzuholen. Am 05.04.2003 trat er gegen den Kanadier Éric Lucas an und gewann nach zwölf Runden durch geteilte Entscheidung. Das Ergebnis löste Protest aus. Wenig später wurde bekannt, dass Beyers Team während des Kampfes die Punktzettel der Ringrichter gekannt hatte. Das Ergebnis blieb offiziell bestehen, der Kampf zählt in der Bilanz als Sieg.
Am 16.08.2003 verteidigte er seinen Titel gegen den Australier Danny Green. In Runde 5 wurde Green disqualifiziert: Er hatte Beyer mit einem Kopfstoß eine Platzwunde über dem Auge zugefügt, die den Kampf beendete. Greens Seite behauptete, der Schnitt stamme von einem Schlag, was ihm einen Punktsieg gebracht hätte. Den Titel behielt Beyer. Am 28.02.2004 folgte ein einstimmiger Punktsieg über den Südafrikaner Andre Thysse. Am 05.06.2004 verlor er den Gürtel nach zwölf Runden durch Punktentscheidung an den Italiener Cristian Sanavia in Chemnitz.
Die dritte Regentschaft
Die Niederlage gegen Sanavia korrigierte Beyer schnell. Am 09.10.2004 trat Beyer in Erfurt zur Revanche an und gewann durch K.o. in Runde 6. Damit war er zum dritten Mal Weltmeister. Es folgte die längste Phase seiner Karriere, sie dauerte bis Oktober 2006. Seine Titelverteidigungen:
| Datum | Gegner | Ergebnis |
|---|---|---|
| 18.12.2004 | Nishizawa | Punktsieg, einstimmig, 12 Runden |
| 12.03.2005 | Danny Green | Punktsieg nach Mehrheitsentscheidung, Zwickau |
| 03.09.2005 | Omar Sheika | Punktsieg, einstimmig, 12 Runden |
| 28.01.2006 | Alberto Colajanni | Technischer K.o. in Runde 12 |
| 13.05.2006 | Sakio Bika | Abbruch in Runde 4, technisches Unentschieden |
Der Rückkampf gegen Green am 12.03.2005 fand in Zwickau statt. Beyer bekam zwei Wertungen für sich (114:113 und 115:112), ein Richter sah es als 114:114. Gegen Colajanni siegte er am 28.01.2006 in der zwölften Runde, als der Ringrichter nach einer Schlagserie am Seil eingriff. Gegen Sakio Bika kam es im Mai 2006 zum Abbruch nach vier Runden. Er wurde als technisches Unentschieden gewertet und zählt deshalb nicht als Sieg.
Die Titelregentschaften im Überblick
| Zeitraum | Titel | Beginn / Ende |
|---|---|---|
| 23.10.1999 bis 06.05.2000 | WBC, Supermittelgewicht | Sieg gegen Woodhall / Niederlage gegen Catley |
| 05.04.2003 bis 05.06.2004 | WBC, Supermittelgewicht | Sieg gegen Lucas / Niederlage gegen Sanavia |
| 09.10.2004 bis 14.10.2006 | WBC, Supermittelgewicht | Sieg gegen Sanavia / Niederlage gegen Kessler |
Das Ende der Titelzeit: Mikkel Kessler
Am 14.10.2006 trat Beyer in Kopenhagen gegen den Dänen Mikkel Kessler an, den WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht. Es ging um beide Titel. Beyer verlor durch K.o. in Runde 3, damit endete seine dritte Regentschaft nach zwei Jahren. Der Kampf fand im Parken-Stadion statt, vor Kesslers Heimpublikum. Es war die dritte Niederlage seiner Karriere.
Beyer bestritt noch einen weiteren Kampf: Am 14.03.2008 gewann er nach Punkten gegen den Russen Murad Machmudow. Danach kehrte er nicht mehr in den Ring zurück.
Die großen Kämpfe
| Datum | Gegner | Ergebnis | Was der Kampf brachte |
|---|---|---|---|
| 23.10.1999 | Richie Woodhall | Punktsieg, einstimmig, Telford | Erster WBC-Titel |
| 29.01.2000 | Leif Keiski | K.o.-Sieg in Runde 7 | Einzige Verteidigung der ersten Regentschaft |
| 06.05.2000 | Glenn Catley | Niederlage durch technischen K.o. in Runde 12 | Titelverlust |
| 05.04.2003 | Éric Lucas | Sieg nach geteilter Entscheidung | Titel zurück, umstritten |
| 16.08.2003 | Danny Green | Sieg durch Disqualifikation in Runde 5 | Kopfstoß beendet den Kampf |
| 05.06.2004 | Cristian Sanavia | Niederlage nach Punkten, Chemnitz | Titelverlust |
| 09.10.2004 | Cristian Sanavia | K.o.-Sieg in Runde 6, Erfurt | Revanche, dritter Titel |
| 14.10.2006 | Mikkel Kessler | Niederlage durch K.o. in Runde 3, Kopenhagen | Vereinigungskampf, Ende der Titelzeit |
Der Signature-Stil
Beyer boxte in orthodoxer Auslage und galt als technisch sauberer Boxer, dem Gegner und Trainer Vielseitigkeit nachsagten. Ulli Wegner nannte ihn nach seinem Tod seinen Lieblingsboxer und einen kompletten Boxer, der taktisch vielseitig war. Seine Siege gegen Woodhall, Thysse, Nishizawa und Sheika gingen alle einstimmig über zwölf Runden. Das spricht für einen Boxer, der Kämpfe über die Distanz kontrollieren konnte.
Dass er auch vorzeitig gewinnen konnte, zeigen die Kämpfe gegen Keiski (K.o. in Runde 7), Sanavia (K.o. in Runde 6) und Colajanni (Abbruch in Runde 12). Seine drei Niederlagen kamen in Titelkämpfen, zwei davon durch vorzeitiges Ende gegen Catley und Kessler.
Nach dem Boxen und Tod
Ab 2015 arbeitete er als Boxexperte für den MDR in der Sendung „Sport im Osten“. Markus Beyer starb am 03.12.2018 im Alter von 47 Jahren in einem Berliner Krankenhaus nach kurzer, schwerer Krankheit. Eine Todesursache nannte der MDR nicht. t-online und web.de berichteten unter Berufung auf die Bild-Zeitung von Nierenkrebs, eine Bestätigung der Familie dazu ist nicht bekannt.
Sein Trainer Ulli Wegner nannte ihn einen kompletten Boxer und großartigen Menschen. Henry Maske beschrieb ihn als erfolgreichen Sportler, ruhig und rücksichtsvoll. Axel Schulz sagte, Beyer habe seinen wichtigsten Kampf verloren, nämlich den ums Leben, und das viel zu früh. Der MDR würdigte seine Expertise und seinen Beitrag zur Sendung.
Bedeutung für das deutsche Boxen
Beyer steht in der Liste der deutschen Boxweltmeister als dreifacher WBC-Champion im Supermittelgewicht. Er gehört zu einer Generation, die nach 1990 im deutschen Fernsehen Zuschauer fand. Seine Kämpfe liefen etwa bei Eurosport (mehr dazu in Boxen im TV), seine Titelkämpfe führten ihn nach England und Dänemark. Mehr zu den Klassen steht auf der Seite Gewichtsklassen, die Verbände erklärt die Seite Weltverbände.
Weitere Legenden: Henry Maske, Felix Sturm, der in denselben Jahren WBA- und WBO-Titel im Mittelgewicht hielt, Yoan Pablo Hernández, wie Beyer ein Schützling von Ulli Wegner, sowie die Legenden-Übersicht. Aktuelle Titelträger finden Sie im Weltmeister-Tracker, Zahlen in der Statistik.
Häufige Fragen
Wie viele Kämpfe hat Markus Beyer gewonnen?
Woran ist Markus Beyer gestorben?
Wann starb Markus Beyer?
Wie oft war Markus Beyer Weltmeister?
Gegen wen verlor Markus Beyer seinen letzten Titel?
Warum war der Sieg gegen Éric Lucas 2003 umstritten?
Was machte Markus Beyer nach dem Boxen?
Quellen
Veröffentlicht am 02.10.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir






