★Hall of Fame★
Susianna „Susi“
Kentikian
36–217 K.o.
20052016
3 WM-Gürtel · mind. 5,8 Jahre Weltmeister
Bilanzen nach öffentlichen Boxdatenbanken, Stand 13.10.2026. Wo Quellen abweichen, zeigen wir „–“ und erklären es im Text.
Susi Kentikian auf einen Blick
Susi Kentikian ist nach Regina Halmich die bekannteste deutsche Profiboxerin der 2000er Jahre. Sie boxte im Fliegengewicht, wurde 2007 mit 19 Jahren WBA-Weltmeisterin und verteidigte den Titel in ihrer ersten Regentschaft bis Ende 2012. Ab 2013 gehörte er ihr ein zweites Mal. Ihr Beiname lautet „Killer Queen“. Auf ihren Kampfabenden bei ProSieben lernte ein großes Fernsehpublikum das Frauenboxen kennen.
Ihre Bilanz weist 36 Siege aus, davon 17 vorzeitig, dazu zwei Niederlagen und einen Kampf ohne Wertung. Sie ist rund 1,55 Meter groß und boxte in einer Gewichtsklasse, in der die Kämpferinnen höchstens 112 Pfund (50,8 Kilogramm) wiegen.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Geboren | 11.09.1987 in Jerewan (Armenien), aufgewachsen in Hamburg |
| Gewichtsklasse | Fliegengewicht |
| Profibilanz | 36 Siege (17 K.o.), 2 Niederlagen, 1 No Contest (nach BoxRec) |
| Titel | WBA, WBO und WIBF im Fliegengewicht |
| Aktive Jahre | 2005 bis 2016 (Debüt 15.01.2005, letzter Kampf 30.07.2016) |
| Amateurbilanz | 24 Siege, 1 Niederlage |
Gut zu wissen: Nach BoxRec gewann Kentikian 36 Profikämpfe (17 durch K.o.), verlor zweimal und hatte einen Kampf ohne Wertung. Den WBO-Titel gewann sie am 24.04.2010 gegen Nadia Raoui. Manche Übersichten führen 35 Siege, weil sie den letzten Kampf gegen Nevenka Mikulić am 30.07.2016 nicht mitzählen.
Herkunft und Weg zum Boxen
Susianna Kentikian wurde am 11.09.1987 in Jerewan geboren. Ihre Familie kam 1996 auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Armenien nach Hamburg. Dort lebte sie als Kind zunächst auf einem Wohnschiff im Stadtteil Altona, später in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Familie musste lange um ein Bleiberecht fürchten. Nach Angaben des Frauenboxportals WBAN griff damals der Trainer Frank Rieth ein, damit die Familie nicht abgeschoben wurde. Ihr Bruder Mikael nahm sie in einen Boxverein mit, und sie begann dort selbst zu trainieren. Im Juni 2008 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft.
Als Amateurin gewann sie von 2001 bis 2004 die Hamburger Juniorenmeisterschaft und mehrere norddeutsche Titel. 2004 siegte sie im Federgewicht bei den International German Women’s Amateur Championships und wurde dort als beste Technikerin der Juniorenklasse ausgezeichnet. Ihre Amateurbilanz lautet 24 Siege bei einer Niederlage. Nach Angaben von WBAN wurde sie auch deshalb Profi, weil ihr Einkommen aus dem Boxen den Aufenthaltsantrag der Familie stützen sollte.
Der Weg zur Weltmeisterin
Ihr Profidebüt gab Kentikian am 15.01.2005 in Magdeburg mit einem Punktsieg über Iliana Boneva nach vier Runden. Die Fachseite WBAN wählte sie für 2005 zur „Rookie of the Year“. 2006 gewann sie den International-German-Titel (28.07.2006 gegen Daniela Graf nach zehn Runden) und das WIBF-Intercontinental-Gürtel im Fliegengewicht (09.09.2006 durch technischen K.o. in Runde 4 gegen Maribel Zurita).
Am 16.02.2007 gewann sie in Köln den freien WBA-Titel im Fliegengewicht. Gegen Carolina Alvarez setzte sie sich durch technischen K.o. in Runde 9 durch. Es war ihr erster Weltmeistertitel. Schon im Mai 2007 wurde die erste Verteidigung gegen Nadia Hokmi eng: Sie gewann nach geteilter Entscheidung, die als umstritten galt. Es folgte die Revanche: Am 07.12.2007 besiegte Kentikian Hokmi in der Revanche nach Punkten und holte dabei den WIBF-Gürtel, der durch den Rücktritt von Regina Halmich frei geworden war.
Die große Zeit: 2007 bis 2012
Zwischen 2007 und 2012 war Kentikian das Aushängeschild des deutschen Frauenboxens. Sie boxte meist im Fernsehen, ihre Kämpfe liefen bei ProSieben in der „Fight Night“. Am 08.09.2007 verteidigte sie den WBA-Titel in Düsseldorf gegen Shanee Martin. Der Kampf endete in Runde 3 vorzeitig, im Video sind zwei Niederschläge zu sehen. Das ARD-Format „Die starke Susi“ porträtierte sie 2007 in einer Dokumentation.
Weitere Gegnerinnen waren Marie José Nuñez Anchorena, Shanee Martin, Sarah Goodson, Mary Elizabeth Ortega, Hagar Finer, Anastasia Toktaulova, Elena Reid, Hülya Şahin, Nadia Raoui, Arely Muciño, Ana Fabiola Arrazola und Teeraporn Pannimit. Im Juni 2008 zeichnete WBAN sie nach dem Sieg über Ortega als „Fighter of the Month“ aus, für 2008 als beste europäische Boxerin des Jahres. Dazu kamen 2007 die Wahl zur Hamburger Sportlerin des Jahres und 2008 die zur deutschen Boxerin des Jahres.
Am 24.04.2010 besiegte sie Nadia Raoui nach geteilter Entscheidung. Laut WBAN gewann sie dabei den WBO-Titel und behielt zugleich WBA und WIBF. Später im selben Jahr, am 17.07.2010, endete ihr Kampf gegen die Mexikanerin Arely Muciño in Runde 3 ohne Wertung, nachdem ein unabsichtlicher Kopfstoß den Kampf beendet hatte. Am 28.03.2011 und am 22.10.2011 folgten Punktsiege über Ana Fabiola Arrazola (WIBF) und Teeraporn Pannimit (WBA, WBO, WIBF). Die WBA hatte sie 2009 als erste Frau zur Super-Champion ernannt.
Die Titelregentschaften im Überblick
| Zeitraum | Titel | Hinweis |
|---|---|---|
| 16.02.2007 bis 01.12.2012 | WBA, Fliegengewicht | Beginn gegen Carolina Alvarez, Ende nach Niederlage gegen Carina Moreno |
| 07.12.2007 bis 05.2012 | WIBF, Fliegengewicht | Gewinn gegen Nadia Hokmi, Verlust an Melissa McMorrow |
| bis 16.05.2012 | WBO, Fliegengewicht | Beginn laut Quellen 2009 oder 2010 |
| 01.02.2013 / 06.07.2013 bis 2017 | WBA, Fliegengewicht | Interimstitel, dann Vollrevanche gegen Moreno |
| ab 02.10.2015 | WIBF, Fliegengewicht | Neugewinn gegen Susana Cruz Pérez |
Die ersten Niederlagen
Am 16.05.2012 verlor Kentikian in Frankfurt gegen Melissa McMorrow nach Mehrheitsentscheidung. Es war ihre erste Niederlage als Profi, und sie büßte WBO- und WIBF-Titel ein. Laut WBAN lautete der Wertungszettel eines Ringrichters auf Remis, die beiden anderen sahen McMorrow vorn. Die zweite Niederlage kam am 01.12.2012 in Düsseldorf gegen die Kalifornierin Carina Moreno. Zwei Punktrichter sahen Moreno mit 96:94 vorn, einer Kentikian mit 97:93. Nach dem Bericht der WBA fiel Kentikian damit auf 29 Siege und zwei Niederlagen, bei 16 K.o.-Siegen. Die beiden Niederlagen kamen in aufeinanderfolgenden Kämpfen.
Rückkehr und zweite Regentschaft
Auf die zwei Niederlagen reagierte Kentikian schnell. Am 01.02.2013 gewann sie in Düsseldorf einstimmig nach Punkten gegen die Belgierin Sanae Jah den Interimstitel der WBA. Am 06.07.2013 folgte in Dortmund die Revanche gegen Moreno, die sie nach Punkten gewann, und damit den vollen WBA-Titel zurück.
In der zweiten Regentschaft sind folgende Verteidigungen belegt: 07.12.2013 in Stuttgart gegen die Italienerin Simona Galassi (Punktsieg), 31.05.2014 in Krefeld gegen die Südkoreanerin Dan-Bi Kim (technischer K.o. in Runde 9), 08.11.2014 in Stuttgart gegen die Japanerin Naoko Fujioka (Punktsieg) und am 02.10.2015 in Hamburg-Wilhelmsburg gegen die Mexikanerin Susana Cruz Pérez (Punktsieg), dabei gewann sie auch den freien WIBF-Titel. Der letzte dokumentierte Kampf war am 30.07.2016 in Hamburg: Ein einstimmiger Punktsieg über die Kroatin Nevenka Mikulić nach zehn Runden, mit dem sie WBA- und WIBF-Titel behielt. Der WBA-Titel wird für 2017 als freigemacht geführt, ein genaues Datum nennen die Quellen nicht.
Die großen Kämpfe
| Datum | Gegnerin | Ergebnis | Was der Kampf brachte |
|---|---|---|---|
| 15.01.2005 | Iliana Boneva | Punktsieg, 4 Runden, Magdeburg | Profidebüt |
| 16.02.2007 | Carolina Alvarez | Sieg durch technischen K.o. in Runde 9 | Erster WBA-Titel (frei) |
| 08.09.2007 | Shanee Martin | Sieg durch technischen K.o. in Runde 3, Düsseldorf | Zwei Niederschläge |
| 07.12.2007 | Nadia Hokmi | Punktsieg (Revanche) | WIBF-Titel dazu |
| 24.04.2010 | Nadia Raoui | Sieg nach geteilter Entscheidung | Titelvereinigung mit WBO |
| 16.05.2012 | Melissa McMorrow | Niederlage nach Mehrheitsentscheidung, Frankfurt | Erste Niederlage |
| 01.12.2012 | Carina Moreno | Niederlage nach geteilter Entscheidung, Düsseldorf | Zweite Niederlage |
| 06.07.2013 | Carina Moreno | Punktsieg (Revanche), Dortmund | WBA-Titel zurück |
| 30.07.2016 | Nevenka Mikulić | Punktsieg, Hamburg | Letzter dokumentierter Kampf |
Der Signature-Stil
Kentikian boxte offensiv und nach vorn. Der Beiname „Killer Queen“ bezieht sich auf diesen Stil, der auf vorzeitige Siege zielte, und sie lief häufig zum gleichnamigen Song der Band Queen ein. Ihre Statur sprach dafür: Mit rund 1,55 Metern gehörte sie zu den kleinen Boxerinnen.
Im Kampf gegen Shanee Martin im September 2007 ist das gut zu erkennen: Kentikian drängte Martin ans Seil, schlug mehrere Treffer in Serie und schickte sie gleich zweimal zu Boden. 17 K.o.-Siege bei 36 Siegen zeigen, dass solche Kämpfe bei ihr keine Ausnahmen waren. Die übrigen Siege kamen nach Punkten, oft in zehn Runden zu je zwei Minuten, wie bei den Frauen im Profiboxen üblich.
Fernsehen und Leben nach dem Ring
Kentikian trat auch außerhalb des Rings im Fernsehen auf: 2017 in der zehnten Staffel von „Let’s Dance“, 2019 in der ersten Staffel von „The Masked Singer“ als „Monster“ (Platz vier) und 2020 in „MasterChef Celebrity“ auf Sky One. Dazu kam 2007 die ARD-Dokumentation über ihr Leben. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg, in der Nähe ihres Boxstalls.
Eine förmliche Rücktrittserklärung ist nicht bekannt. Nach dem 30.07.2016 ist kein weiterer Profikampf verzeichnet. 2022 wurde sie in die International Women’s Boxing Hall of Fame aufgenommen.
Bedeutung für das deutsche Boxen
Kentikian übernahm 2007 die Rolle als bekannteste deutsche Boxerin von Regina Halmich. Der Zeitpunkt ist belegt: Am 07.12.2007, nur eine Woche nach Halmichs Abschied, holte sie den WIBF-Titel, den Halmich zurückgelassen hatte. Mit dem WBA-Gürtel hielt sie zudem einen Titel eines der vier großen Weltverbände, nicht nur den des Frauenverbands WIBF. Wie die Verbände und Titel zusammenhängen, erklären die Seiten Weltverbände und Gewichtsklassen.
Weitere Frauen im deutschen Boxen: Regina Halmich und Ina Menzer sowie die Mittelgewichtlerin Christina Hammer. Die Männerlegenden finden Sie in der Legenden-Übersicht. Aktuelle Titelträger stehen im Weltmeister-Tracker, dort sind auch Deutsche Boxweltmeister und die Statistik verlinkt.
Häufige Fragen
Wie viele Kämpfe hat Susi Kentikian gewonnen?
Wie alt ist Susi Kentikian?
Wann boxte Susi Kentikian zuletzt?
Gegen wen verlor Susi Kentikian?
Warum heißt Susi Kentikian „Killer Queen“?
Welche Titel hielt Susi Kentikian?
Hat Susi Kentikian einen Freund oder ist sie verheiratet?
Was macht Susi Kentikian heute?
Quellen
Veröffentlicht am 01.10.2026 · zuletzt geprüft am 13.10.2026 · So arbeiten wir




